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Überangebot in der Gemeinde

Warum der Heimatverein Hänscheid den Martinszug streicht

Von Nicolas Ottersbach | | Magazin

In Hänscheid wird es in diesem Jahr keinen Martinszug geben. Der Heimatverein hat entschieden, den traditionellen Umzug durch das Dorf zu streichen und sich am Samstag, 7. November, ausschließlich auf das große Martinsfeuer zu konzentrieren. Im vergangenen Jahr seien schlicht viel zu wenige Zuschauer gekommen, erklärt Mit-Organisator Felix Böhmer vom Heimatverein. „Der Aufwand lohnt sich nicht mehr, wenn wir mittlerweile mehr Leute an den Sperrungen haben, als Gäste auf dem Zug mitgehen“, sagt Böhmer. Foto: Früher gab es einen großen Martinszug in Schönenberg mit Martinsfeuer [Nicolas Ottersabch]

Am Geld liegt der Rückzug ausdrücklich nicht. Man habe sich bei der Vorbereitung immer viel Mühe gegeben und die Veranstaltung gerne gestemmt. „Aber wenn keine Leute kommen, ist die Wertschätzung nicht mehr da.“ Gleichzeitig hat Böhmer Verständnis dafür, dass viele Familien abwinken. Da inzwischen fast jeder Kindergarten und jede Grundschule in der Gemeinde eigene Züge auf die Beine stellt, gibt es rund um den Martinstag ein Überangebot. „Als Vater von zwei Kindern gehe ich mittlerweile schon auf drei Zügen mit: Grundschule, Kindergarten und dann noch unser eigener“, erzählt Böhmer.

Vorstoß beim Bürgermeister für drei zentrale Züge

Damit das Brauchtum in der Gemeinde nicht weiter unter dem Überangebot leidet, hat Böhmer das Problem bereits bei Bürgermeister Matthias Jedoch angesprochen. So könnte es eine Lösung sein, die vielen Einzelveranstaltungen wieder zu bündeln und auf drei große Martinszüge in den Hauptorten Ruppichteroth, Schönenberg und Winterscheid zu begrenzen. Durch den Verzicht in Hänscheid hofft der Heimatverein nun, einen Denkanstoß bei den anderen Dörfern und Einrichtungen zu geben.

Ein eigener Zug direkt in Hänscheid sei gar nicht zwingend nötig, meint Böhmer. Denkbar wäre im Tal etwa ein gemeinsamer Umzug im Nachbarort Schönenberg, beispielsweise über die Hauptstraße oder die Lange Gasse. „Früher gab es einen großen Zug in Schönenberg an der Grundschule. So kenne ich das auch aus meiner Kindheit, und das hat in meinen Augen immer gut funktioniert“, erzählt er. Zudem würde ein gemeinsamer Umzug ein weiteres Problem lösen, unter dem derzeit fast alle Ehrenamtlichen leiden: Überall fehlen Helfer in den Vereinen. Würde man sich zusammentun, stünde laut Böhmer die „geballte Kraft der Vereine“ zur Verfügung, was die Organisation für alle Beteiligten erheblich einfacher machen würde.

Großes Martinsfeuer brennt weiter

Ganz auf Sankt Martin müssen die Familien in Hänscheid dennoch nicht verzichten. Das traditionelle Martinsfeuer soll in jedem Fall erhalten bleiben. Während andere Veranstalter in der Gemeinde mittlerweile nur noch eine kleine Feuerschale aufstellen, schichtet der Heimatverein in Hänscheid weiterhin eines der letzten großen Feuer im Gemeindegebiet auf. „Für die Kinder ist es schöner, wenn ein großes Feuer brennt“, sagt Böhmer.

Entzündet wird das Martinsfeuer in Hänscheid am Samstag, 7. November, ab 18 Uhr. Eine halbe Stunde lang spielt der Bröltaler Musikverein, außerdem verteilt der Heimatverein Wecken an die Kinder. Sehr wahrscheinlich werde auch ein kostümierter Sankt Martin vor Ort sein. Danach können die Besucher im Schützenhaus zusammenkommen, das an diesem Abend geöffnet sein soll.

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