Zu einer heimatgeschichtlichen Erkundungstour lädt der Lokalhistoriker Wolfgang Eilmes für den 13. Juni ein. Unter dem Titel „Mit dem E-Bike durch das ehemalige Leyland“ startet um 10 Uhr eine etwa 50 Kilometer lange Rundfahrt. Anlass für die Neuauflage dieser Tour ist das kürzlich erschienene Buch von Axel Spilcker, dem Enkel des hochrangigen NS-Funktionärs Robert Ley. Foto: Robert Ley bei einer Rede anlässlich der Grundsteinlegung zur Wohnbausiedlung Charlottenburg-Nord in Berlin am 1. August 1939. Dahinter von links nach rechts Albert Speer und Julius Lippert [Bundesarchiv/Wikipedia]
Wer war Robert Ley und was verband ihn mit der Region?
Robert Ley, 1890 in Niederbreidenbach als Sohn eines Bauern geboren, stieg in den 1930er Jahren bis in die Führungsriege der Nationalsozialisten auf. Der promovierte Chemiker trat 1924 in die NSDAP ein und wurde später Leiter der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) mit 25 Millionen Mitgliedern sowie Gründer der Massentourismus-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF). Ley war ein fanatischer Antisemit und gehörte zu den mächtigsten Männern des NS-Staates, bevor er sich 1945 im Nürnberger Gefängnis das Leben nahm.
Mit seiner bergischen Heimat blieb Ley stets eng verbunden und veränderte sie massiv. Er besuchte die Schulen in Grunewald, Ruppichteroth und das Hollenberg-Gymnasium in Waldbröl. Später kaufte er das Gut Rottland als Mustergut und trieb gigantische, fast größenwahnsinnige Bauprojekte voran: Waldbröl sollte zur „größten Stadt zwischen Köln und Kassel“ ausgebaut werden – inklusive Adolf-Hitler-Schule, einem Volkstraktorenwerk und sogar einer eigenen U-Bahn. Die E-Bike-Tour fährt genau diese historischen Stationen ab, von Leys Geburtshaus über sein ehemaliges Gut bis hin zu den teils noch erhaltenen Ruinen seiner Bauprojekte.
Worum geht es in dem neuen Buch?
Die Tour greift brandaktuelle Erkenntnisse aus dem Buch „Hitlers Gefolgsmann“ auf, das jetzt im Verlag Kiepenheuer und Witsch veröffentlicht wurde. Autor des Buches ist der Journalist Axel Spilcker, der Enkel von Robert Ley. Das Buch setzt sich mit Leys Leben und der eigenen Familiengeschichte auseinander. Spilckers Vater wuchs nach dem Tod der Eltern (Robert und Inga Ley) bei den Großeltern auf und lebte in der Nachkriegszeit zeitweise selbst in Waldbröl-Herfen. Tourleiter Wolfgang Eilmes steht im direkten Kontakt mit dem Autor und wird bei der Radtour exklusive Eindrücke aus der ersten Buchlesung in Köln einfließen lassen, ohne jedoch den kompletten Inhalt vorwegzunehmen.
Warum wird die Tour angeboten?
Wolfgang Eilmes betont in einer persönlichen Erklärung unmissverständlich, dass die Fahrt keineswegs der Verherrlichung einer Nazi-Größe dient. Vielmehr soll dieser Beitrag zur Geschichte aufzeigen, wie leicht und schnell sich nationalsozialistische Strukturen mitten in der eigenen Heimat etablieren konnten. Das visionäre, aber oftmals völlig verrückte Wirken Leys in der Region soll verdeutlichen, dass solche Projekte nur unter den Bedingungen einer Diktatur – durch Enteignungen, Erpressung, Angst und fehlende Rechtsstaatlichkeit – überhaupt möglich waren.
Teilnehmerzahl ist begrenzt
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung unter 02295-6315 oder eilmes@contours.de ist zwingend erforderlich. Der genaue Startort in Ruppichteroth wird mit der Teilnahmebestätigung mitgeteilt. Die Teilnahme ist kostenlos. Spenden zugunsten der Aktion „Stolpersteine Ruppichteroth“ werden jedoch gerne entgegengenommen. Weitere Informationen gibt es auf www.bilderbuch-ruppichteroth.de.






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