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Pilotprojekt im Rhein-Sieg-Kreis startet

B478: Totgeglaubter Blitzer in Schönenberg bekommt KI-Update

Von Nicolas Ottersbach | | Wirtschaft/Politik

Jahrelang diente er nur noch als Mahnmal für gemütliche Fahrweise: Der graue Starenkasten auf der B478 zwischen Schönenberg und Bröleck. Nachdem der Rhein-Sieg-Kreis die Anlage aufgrund veralteter Technik offiziell außer Betrieb genommen hatte, herrschte unter Autofahrern eine gewisse Gelassenheit. Doch damit soll ab dem 2. April Schluss sein. Wie die Kreisverwaltung überraschend mitteilt, wurde die Strecke als bundesweites Pilotprojekt für die neue „Sentinel-AI-Generation“ ausgewählt. Anstatt die alten Geräte teuer zu reparieren, werden sie mit hochmodernen Hochleistungschips und multispektralen Linsensystemen ausgestattet. Foto: Der alte Blitzer in Ruppichteroth wird modernisiert [Nicolas Ottersbach]

Mehr als nur Tempo: Die Kamera, die alles sieht 

Das Besondere: Die neuen Geräte messen nicht mehr nur die Geschwindigkeit. Dank einer direkten Anbindung an das Rechenzentrum der Polizei und einer cloudbasierten Bildauswertung erkennt die KI nun Verstöße, die bisher kaum zu ahnden waren. Mit dem Snack-Detektor erkennt die KI mittels Infrarot-Thermografie, ob der Fahrer beide Hände am Lenkrad hat. Wer während der Fahrt ein belegtes Brötchen oder gar eine Currywurst verspeist, wird automatisch registriert – wegen „Eingeschränkter Reaktionsfähigkeit“. 

Nicht nur das Telefonieren am Ohr wird erkannt. Die Sensoren erfassen auch, ob ein Smartphone verdeckt auf dem Schoß liegt. Zudem findet ein automatisierter TÜV-Abgleich statt. Per Echtzeit-OCR (Texterkennung) wird das Kennzeichen mit dem zentralen Fahrzeugregister abgeglichen. Ist die Hauptuntersuchung mehr als zwei Monate abgelaufen, erfolgt sofort die digitale Anzeige. Besonders aufwendig ist die biometrische Verhaltensanalyse. Durch die Windschutzscheibe misst das System die Pupillenreaktion des Fahrers. Bei Anzeichen von Übermüdung oder Alkoholisierung schaltet eine neu installierte LED-Tafel ein paar Hundert Meter weiter in Bröleck auf: „Bitte rechts ranfahren und ausnüchtern!“ Die Firma Willms stellt dafür ihren Parkplatz zur Verfügung. Im Werksverkauf gibt es einen Imbiss.

„Prävention durch Hochtechnologie“ 

Ein Sprecher des Straßenverkehrsamtes des Rhein-Sieg-Kreises, erklärt die Maßnahme: „Wir haben die Haushaltsmittel bewusst nicht in alte Radartechnik gesteckt. Die neue KI-Lösung kostet uns in der Wartung fast nichts, da sie sich durch die automatisierten Verwarngelder für abgelaufene TÜV-Plaketten bereits im ersten Monat amortisiert. Wer sicher fährt, hat nichts zu befürchten – außer er isst gerade ein Käsebrötchen.“ 

Bitte lächeln

Warum ausgerechnet Ruppichteroth? Laut Kreisverwaltung biete die Strecke zwischen Schönenberg und Bröleck aufgrund der „unauffälligen Unfalllage“ die idealen Bedingungen, um die KI „in Ruhe anzulernen“. Autofahrer werden gebeten, beim Passieren der Anlage freundlich zu schauen, da die Gesichtserkennung bei einem Lächeln laut Software-Protokoll in Grenzfällen - zum Beispiel 62 Stundenkilometer statt Tempo 60 - eine „Kulanz-Löschung“ des Fotos vornehmen kann.

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