Scheinwerfer leuchten durch die Sprossenfenster, dicke Kabelstränge ziehen sich über das Pflaster, und am Straßenrand steht schweres Kamera-Equipment bereit: Der historische Ortskern von Ruppichteroth ist aktuell ein Filmset. Warner Bros. dreht im Auftrag des ZDF eine neue, 90-minütige Folge der beliebten Samstagskrimireihe „Marie Brand“. Dass dabei ein beschauliches Bergisches Dorf ins Visier der Ermittler gerät, ist kein Zufall, sondern liegt an einem Kriminalfall, der zwar in der Domstadt Köln beginnt, dessen entscheidende Spuren jedoch aufs Land führen. Foto: Helmut und Angelika Horsch in der Dorfschenke, die gerade eine Filmkulisse ist. [Nicolas Otterscbach]
Großteil der Handlung spielt in Ruppichteroth
Seit dem Start im Jahr 2008 gehört die Reihe zu den festen Größen des deutschen Fernsehens. Im Zentrum steht das gegensätzliche Ermittlerduo: Die von Mariele Millowitsch gespielte Kriminalhauptkommissarin Marie Brand überzeugt mit analytischer Schärfe, strategischem Weitblick und kühlem Kopf. Ihr Kollege Jürgen Simmel, verkörpert von Hinnerk Schönemann, agiert dagegen pragmatischer, hört gern auf sein Bauchgefühl und bringt vollen Körpereinsatz ein, wenn es darum geht, flüchtige Verdächtige zu Fuß einzuholen. Im neuen Fall verschlägt es die Kölner Mordkommission ins Bröltal, wo ein fiktiver Landgasthof zum zentralen Dreh- und Angelpunkt wird. Fast die Hälfte der Filmhandlung spielt an diesem Ort.
Gaststätte war schonmal ein Set
Dass die Wahl auf Ruppichteroth fiel, verdankt das Team einer früheren Arbeitsbeziehung. Regisseurin Britta Keils stand vor einigen Jahren schon einmal für den Spielfilm „Landfrauen – Wir können auch anders!" hinter der Kamera und erinnerte sich an das Haus. Als die Motivsuche nach einer passenden Dorfkneipe begann, stand die Kulisse schnell ganz oben auf der Liste. „Unsere Regisseurin hat in dieser Dorfschenke schon mal gedreht und wusste genau, dass das Motiv super passt und die Zusammenarbeit mit dem Wirtspaar hervorragend klappt", sagt Brand-Produzent Mark Werner. Nach einer gemeinsamen Motivtour fiel die Entscheidung für das Ensemble aus Kirche, Dorfschenke und bergischem Fachwerk. „Gerade dieser Kern mit den Fachwerkhäusern ist herrlich und typisch bergisch – das schauen sich Zuschauer in ganz Deutschland gern an", so Werner.
Diese Vorteile hat das Dorf
Ruppichteroth bietet den Filmemachern aber noch einen weiteren Vorteil: genug Platz. Während Dreharbeiten in der Kölner Innenstadt wegen enger Gassen und Parkplatzmangel oft eine logistische Herausforderung sind, bietet die kleine Gemeinde ideale Bedingungen. „Wir können vor der Sporthalle unsere komplette Basis aufbauen und dort problemlos parken. Das sind für uns absolut traumhafte Arbeitsbedingungen“, sagt Werner. Vor der Bröltalhalle stehen im Moment Wagen und Container für die Garderobe, die Technik oder auch das Essen. Rund sechs Tage dauert die Produktion vor Ort. Das ist aber nur ein Bruchteil der Arbeit, wie Werner erklärt. Bis ein fertiger 90-Minüter ausgestrahlt werden kann, vergeht von der Drehbuchidee über den eigentlichen Dreh bis zum Schnitt rund ein ganzes Jahr.
„Das ist ein komplett eigener Kosmos“
Für den Gastwirt Helmut Horsch und seine Frau Angelika bedeutet das alles einen Ausnahmezustand in ihrer Gaststätte. Um Platz für Technik und Szenerie zu schaffen, wurde die Gaststube weitgehend leergeräumt und von den Szenenbildnern mit passenden Requisiten und Mobiliar neu eingerichtet. Gedreht wird im gesamten Haus, im Biergarten und entlang der angrenzenden Straße bis zum Ortseingang.
Helmut Horsch nimmt den Trubel mit seiner typischen Gelassenheit. „Das ist ein komplett eigener Kosmos", erzählt er über den Set-Alltag. Wenn eine Szene immer wieder aus neuen Blickwinkeln wiederholt werde, gehe einem der Text irgendwann in Fleisch und Blut über: „Die machen das einmal, zweimal, dreimal, viermal. Ich kann den Text bald mitsprechen." Wie viel Detailarbeit und wie viele Wiederholungen in jeder einzelnen Filmminute stecken, werde erst vor Ort richtig deutlich, denn im fertigen Fernsehbild wirke nachher alles wie aus einem Guss.
Worum es in der neuen Folge geht, dazu schweigt das Produktionsteam, um nicht vorab alles zu verraten.






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