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www.broeltal.de

Internetmagazin für Ruppichteroth und den Rhein-Sieg-Kreis

Spendenaktion für die Ukraine

„Es fühlt sich nicht richtig an, hier in Sicherheit zu sein"

Von Nicolas Ottersbach | | Magazin

Ruppichterother Bürger haben eine Spendenaktion für die Ukraine gestartet und fahren dringend benötigte Waren selbst an die Grenze. Auch eine geflüchtete Ukrainerin packt mit an. Foto: Helfer packen Kartons mit Spenden für die Ukraine [Nicolas Ottersbach]

Die Menschenkette für den Frieden durch das Ruppichterother Oberdorf ist erst ein paar Tage her, da macht die kleinste Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis wieder mobil. Unter dem Motto „Mer stonn all zesamme“, das schon in der Corona-Pandemie auf Schals gedruckt wurde, sammeln nun zahlreiche Helfer Geld- und Sachspenden für die Ukraine. Am ersten Tag konnten schon mehrere Paletten mit dringend benötigten Gütern gepackt werden. Doch in der Krisenregion wird noch mehr gebraucht.

Annehmen, Sortieren, Beschriften

Annehmen, Sortieren, Beschriften. Mal sind es Windeln, mal Decken, mal Konserven, die gerade auf den Biertischen landen. Oxana bildet kleine Stapel aus dicken Babyjacken und dünner Unterwäsche. Das, was sie gerade in die Kartons packt, wird in wenigen Tagen in ihrer Heimat Ukraine ankommen. „Ich will etwas für mein Land tun“, erzählt die 31-Jährige. Ende Februar ist sie aus dem Westen der Ukraine geflüchtet und kommt derzeit bei einem Bekannten in der Bröltalgemeinde unter. Sie spricht nur ein paar Worte Deutsch, aber Englisch und Ukrainisch fließend. Eine gute Hilfe: Sie kann kontrollieren, ob die mehrsprachigen Etiketten, die auf die Kartons kommen, richtig sind.

So schnell, wie Oxana das Land wegen der russischen Invasion verlassen musste, so schnell haben die Ruppichterother eine Hilfsaktion auf die Beine gestellt. Viele Ehrenamtliche packen dabei an, die Waren in den ehemaligen Hallen der Firma Happ in Oeleroth für den Transport fertig zu machen. Sie sollen dann mit einem Sprinter oder einem Laster bis an die ukrainische Grenze gebracht werden, auch dafür haben sich schon Fahrer gefunden.

Was gebraucht wird, ist vor allem medizinisches Material, wie Happ-Geschäftsführer Uli Berg erläutert. Aber auch Baby- und Kindernahrung, abgepackte Snacks und Säftchen. Damit nicht ein heilloses Durcheinander herrscht, haben die Organisatoren eine Liste für die wichtigsten Güter zusammengestellt. Denn die Transportkapazitäten sind begrenzt, nur wirklich benötigte Dinge sollen die Kriegsregion erreichen.

Vater ist bei den Widerstandskämpfern

Wie es dort aussieht, weiß Oxana nicht nur aus dem Fernsehen. Sie kennt die Erzählungen von Bekannten in den belagerten Städten, von Militärflugzeugen, die über die Köpfe rauschen. Sie und ihre Familie leben im Südwesten der Ukraine, in diese Region sind die russischen Truppen noch nicht vorgedrungen. „Dort ist man noch relativ sicher. Aber die Menschen haben Angst, man weiß nicht, wann etwas passiert.“ Deshalb hat ihr Vater sich den Widerstandskämpfern angeschlossen. „Sie statten sich mit Waffen aus und bauen militärische Posten, um mein Land zu verteidigen.“ Auch Oxana will nicht, dass ihre Heimat besetzt wird. Sie will, dass der Krieg endet. Die 31-Jährige ist zwiegespalten. „Es fühlt sich nicht richtig an, hier in Sicherheit zu sein und nichts zu tun. Deshalb will ich irgendwo helfen. Ich bin dankbar dafür, dass den Menschen hier und in der Welt nicht egal ist, was in der Ukraine passiert.“

Spenden

Die evangelische und die katholische Kirche haben ein Spendenkonto für die Ukraine eingerichtet. Das Geld kommt zu hundert Prozent den Menschen in der Kriegsregion zu Gute, so werden unter anderem benötige Materialien davon gekauft. Der Spendenzweck ist „Ukraine“ und der Name muss mitgenannt werden.

Evangelische Kichengemeinde Ruppichteroth
IBAN DE62 3705 0299 0021 0000 88

Warenspenden können auf dem ehemaligen Gelände der Firma Happ, Oelerother Straße 6, abgegeben werden. Die Annahme ist samstags von 10 bis 18 Uhr, sonntags von 10 bis 14 Uhr, montags bis donnerstags von 15 bis 19 Uhr und freitags von 10 bis 20 Uhr.

Folgende Waren werden benötigt

Priorität 1: Medikamente in Originalverpackung und nicht abgelaufen, Baby- und Kindernahrung zum Beispiel Babybrei (haltbar und verzehrfertig), abgepackte Snacks, Säftchen.

Medizinische Produkte: Geldspenden für Medikamente, Verbandskasten aus dem Auto (kann abgelaufen sein), Verbandsmaterial wie Kompressen, Mullbinden, Alkohol/Desinfektionsmittel, kleine/mittlere Handschuhe (nicht steril), Spritzen (2, 5,10, 20ml), Blutspendebeutel, Tourniquets/Abbindesysteme, medizinische Instrumente, chirurgische Materialien, Material für Bluttransfusionen, Tropfer, Schienen, Augenkompressen

Kinder- und Hygieneartikel: Wegwerfwindeln und Feuchttücher, Damenbinden, Kinderkleidung

Hilfsmittel: Einwegbecher, Einwegbesteck, Isomatten, warme Decken, Schlafsäcke, Stirnlampen, Taschenlampen am besten mit Rotlichtmodus, Leuchtstäbe/Knicklichter, Batterien (AA und AAA), Powerbanks mit Kabel (vollständig aufgeladen), Feuerzeuge und freistehende Kerzen, Arbeitshandschuhe, breites Powertapeband, Esbit Trockenbrenner

Lebensmittel zum Direktverzehr: Konserven (ohne Dosenöffner zu öffnen), haltbares Brot (eingeschweißt, mehrere Wochen haltbar), Energieriegel, Nüsse, Trockenfrüchte, Kekse (gut verpackt), Schokolade

Warme Kleidungsstücke: Decken, Schafsäcke, Luftmatratze, Thermounterwäsche (Erwachsene, Kindern), Warme Kleidung (Kinder, Babys)

Kommentare

  • Ulrich 07.03.2022 um 15:48

    So, war gerade da. Super Organisation. Los Leute macht mit.

  • D. Kleinert 06.03.2022 um 08:47

    Wann und wo kann man bitte Sachspenden abgeben?

    • Birgit O. 06.03.2022 um 13:06

      Warenspenden können auf dem ehemaligen Gelände der Firma Happ in Oeleroth abgegeben werden. Im Bericht stehen genaue Ortsangabe und Uhrzeiten.

  • Albert Solbach 05.03.2022 um 21:01

    Es ist unfassbar, was in der Ukraine im Moment unter den Augen der Weltöffentlichkeit geschieht. Es wird ein friedliches Land, welches niemandem Leid zugefügt hat, von einem Wahnsinnigen angegriffen und zerstört. Wir humanistischen Menschen müssen alle Kraft aufwenden, um die Folgen für die Frauen und Kinder, die in der nächsten Zeit auch die Gemeinde Ruppichteroth erreichen werden, zu mildern.

    Ich war verantwortlich, als uns die Flüchtlingswelle 2015 überrollte. wir waren nicht vorbereitet. Es gab nicht genügend Unterkünfte in Ruppichteroth und alles andere musste ad hoc geregelt werden. So ist meine Kollegin im Sozialamt morgens mit dem Hausmeister losgefahren und hat Bettzeug, Töpfe, Pfannen und vieles mehr eingekauft. Wir hatten kein Lager und keine Lagerbestände. Es war einfach Chaos, welches mir als Sozialamtsleiter und meiner Kollegin sehr viele schlaflose Nächte und Nerven gekostet hat. So etwas darf sich nie wieder wiederholen!

    Ich hoffe sehr, dass der verantwortliche BM und sein FBL aus dieser Zeit die Lektion gelernt haben, und nun besser gerüstet sind, d.h. genügend Unterkünfte und entsprechende Lagerbestände. Es wird bis zu 10 Mio flüchtlinge gerechnet. Augenblicklich hat Polen schon ca. 600.000 Flüchtlinge aufgenommen. die werden das in nächster Zeit nicht weiter schaffen. Also werden auch viele, viele zu uns kommen. Wir sollten in allem besser gerüstet sein, als in 2015. Viel besser. Aber BM Loskill hat es sicher alles vorgeplant.

    Die Rollstuhl-Tischtennisgruppe des TuS Winterscheid hat in Kooperation mit einer Hilfsorganisation bereits heute einen Hilfskonvoi Richtung Ukraine losgeschickt. Wir, die Rollies vom TuS haben einen Wert von ca. 10.000 € auf die Reise geschickt. Dabei ging es natürlich in der Hauptsache um Hilfsmittel für betroffene Menschen mit Behinderung. Auch diese MENSCHEN brauchen dringends Hilfe. So wurden Rollstühle, Gehhilfen, Inkontinenzmaterial und vieles mehr auf den Weg gebracht.

    Der TuS Winterscheid wird am 14.05.2022 in der Sporthalle Winterscheid den letzten Spieltag der Regionalliga-West im Rollstuhltischtennis ausrichten. Es sind viele Zuschauer erwünscht. Erfeulich wäre es, wenn sich viele mit unserem Anliegen, die völlig ohne Anlass aus Größenwahn des Autokraten Putin angegriffenen Ukrainer*innen in einer Form Unterstützung zusagen würden

    • Jürgen Lang 09.03.2022 um 16:26

      Ei, ei, soviel Zynismus und Enttäuschung? :-(

      Ich frage mich ernsthaft, wie man erwarten kann, dass der Bürgermeister einer kleinen Kommune im Rhein-Sieg-Kreis auf einen Krieg in der Ukraine vorbereitet sein kann / soll (- sofern dieses Vorhersehen seine Aufgabe wäre - was ich als Bürger dieser kleinen Gemeinde einmal stark anzweifele)?

      Auch die Flüchtlingswelle von 2015 hat ganz Deutschland und die EU überrollt und war - anders, als viele es ja hinterher besser zu wissen meinen - weder planbar, noch im Auswirkungsgrad vorhersehbar war.

      Das hat nichts mit Lektionen lernen zu tun, sondern immer nur mit RE-agieren (und das geht in solchen Fällen auch nicht wirklich anders, bitte nicht Kommunalpolitik mit Bundes- & Europapolitik verwechseln).

      Es ist klasse, wie unter anderem Ruppichteroth sowohl heute, als auch damals seinen Beitrag im Umgang mit dem Thema Flüchtlinge leistet. Und natürlicherweise kann man mit Bürgerinitiativen unbürokratisch schneller handeln und mehr erreichen, als die kommunale Politik. Das hat nichts mit dem Bürgermeister, oder der Gemeinde an sich zu tun, sondern mit den ganz regulären Umständen, Mechanismen und Einflussgrößen.

      Aber Verbesserungen sind ja trotzdem immer gut und wir alle lernen auch grundsätzlich gerne dazu, von daher: Wer es besser kann, möge sich doch bitte gerne zur nächsten Wahl stellen, danke.

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