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Internetmagazin für Ruppichteroth und den Rhein-Sieg-Kreis

Ruppichterother Eisenzeit

Von Nicolas Ottersbach | |   Magazin

Wann der Bergbau in Ruppichteroth einsetzte, weiß man heute nicht mehr so genau. Wohl aber um seine Bedeutung für den Ort. Darüber informiert jetzt eine Tafel am Kreisverkehr in Ruppichteroth, direkt neben dem ehemaligen Juliusstollen. Fotos: Der Juliusstollen von innen und die Einweihung der Infotafel [Klaus Steglich]

Man muss ihn schon suchen, den Juliusstollen. Und das, obwohl er mitten im Ort liegt. Verdeckt von Bäumen und Grünzeug, unter meterdickem Fels, gräbt er sich mehr als 450 Meter in den Berg am Kreisverkehr in Ruppichteroth. Wer ihn betreten will, steht vor einem verschlossenen Tor. Für Besucher ist er längst nicht mehr betretbar, nach wenigen Metern versperren eine Mauer und eine Wasserpumpe den Weg. Hier kommen die unterirdischen Wasserströme an und werden dann zum Wasserwerk gepumpt. Wie schwierig mag es wohl damals gewesen sein, den Wassermassen Herr zu werden?

Wohlstand und Absturz

Wann genau der Bergbau bei Ruppichteroth einsetzte, weiß man heute nicht mehr so genau. Doch Historiker Günter Benz, der sich seit Jahren mit der Heimatgeschichte beschäftigt, hat einige Daten parat, die die Historie gut abbilden. Eine erste urkundliche Erwähnung datiert ins Jahr 1531. Seine Blütezeit erlebte der Bergbau in Ruppichteroth im 19. Jahrhundert. In dieser Zeit, um 1860, wurde auch die Bröltalbahn gebaut, die in erster Linie dem Transport der abgebauten Erze diente. Heute erinnern mehrere Loren und eine neue Infotafel von dem Wirtschaftszweig, der Ruppichteroth einst beflügelte, dann aber auch wieder abstürzen ließ.

Es waren die 1830er Jahre, in denen die goldene Zeit begann. Auch wenn es eher eine Eisenzeit war. Bis in die 70er wurden 33 Stollen ins Erdreich getrieben. Bürgermeister Bartholomäus Heismann, gleichzeitig Gutsherr und Mühlenbesitzer, erkannte das Potenzial des heimischen Erzes - obwohl dessen Qualität mit geraden einmal 20 bis 30 Prozent Eisen gar nicht so gut war. Mit den Gebrüdern Reusch aus Wiehl gewann der Bürgermeister Geldgeber für den Abbau in großem Stil. Als Firma „Reusch und Heismann“ bauten sie 1829 eine Eisenerz-Schmelzhütte. Und fütterten sie mit Erz aus der Zuckergrube und der Frühlingsgrube bei Köttingen.

Bergbau formte die Landschaft

In den kommenden Jahren folgten fünf weitere Gruben. Doch ab 1852 war es mit dem Quasi-Monopol auf den Ruppichterother Erzabbau vorbei: Sowohl Emil Langen, Betreiber der Troisdorfer Friedrich-Wilhelms-Hütte, als auch eine Gruppe westfälischer und belgischer Unternehmer interessierten sich nun für die Rohstoffe im Bröltal. Langen war auch eine der treibenden Kräfte, die zum Bau der Bröltal-Eisenbahn führten. 1862 wurde die Strecke von Hennef zu den Gruben im Saurenbacher Tal eingeweiht. Das formte auch die Landschaft, denn nicht nur unter Tage wurde abgebaut. Die Gruben Großer Sperber und Kleiner Sperber sind sind heute mit Wasser gefüllte Weiher. Die umliegenden Hügel sind alte Abraumhalden.

Mitte 1865 verkaufte „Reusch und Heismann“ seine Abbaurechte samt Hütte an die Duisburger Phoenix AG. Ein gutes Geschäft für die Verkäufer, denn schon 1874 gab Phoenix - wie auch Konkurrent Langen - den Abbau in Ruppichteroth auf, worauf sich auch der vorübergehende Wohlstand verabschiedete. Sechs Jahre zuvor wurde von den Duisburgern aber noch der Juliuststollen angelegt. Der Stollen ergänzte den 1832 gebauten Friedrichs-Erbstollen. Bis 1967, als die Trinkwasserversorgung Ruppichteroths dem Wahnbachtalsperrenverband zugesprochen wurde, bezog die Gemeinde ihr Trinkwasser aus den stillgelegten Schächten. Nach 1967 nutzten die Huwil Werke das Wasserreservoir für die Industrie. Der Name geht vermutlich auf den damaligen belgischen Grundstücksteilhaber Julius Gernart zurück, der das Terrain an die Phoenix AG verkaufte. Jetziger Inhaber ist Land NRW.

Förderung des Landes

Damit dieses Wissen nicht verloren geht, hat der Bürgerverein Ruppichteroth mit Unterstützung des Landes eine Infotafel sowie eine neue Stolleneingangstüre durch die Firma Ernst Kirchner anbringen lassen. 2000 Euro stammen aus Fördermitteln des Programms Heimat Scheck des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau- und Gleichstellung.

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