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Winterscheider waren Kleinstbauern und Tagelöhner

Von Nicolas Ottersbach | |   Magazin

Liest man die Aufzeichnungen von einem gewissen Dr. Schenk, kommt Fußhollen gar nicht gut weg. "Das Dorf selbst gehört unstreitig zu den armseligsten", heißt es da. Die Wohnungen sind mehr "Hütten als Häuser" - bei denen alles fehlt "was zur Erhaltung der Reinlichkeit und Gesundheit gehört". Aber: "Man atmet dort im Sommer trockene, reine Bergluft." Fotos: Winterscheider Heimatjahrbuch

Das, was Dr. Schenk im Jahre 1810 auf seiner Visitationsreise durch die Bürgermeisterei Ruppichteroth notierte, hat Dieter Schmitz in der neusten Ausgabe des Winterscheider Heimatjahrbuchs noch einmal aufbereitet. Und das dörfliche Leben im 18. Jahrhundert war bei weitem nicht so idyllisch, wie man es sich heute angesichts der beliebten Fachwerkhäuser vorstellt.

Winterscheid war schlichtweg ein kleines Dorf. Dort lebten gerade einmal 51 Familien mit 218 Personen. "Die meisten waren Kleinstbauern und Tagelöhner", erzählt Schmitz. Trotzdem war in den Häusern nicht viel Platz, die Räume eng und klein.

Die Gefahr, dass die mit Stroh eingedeckten Dächer ein Raub der Flammen wurden, war groß. "Deshalb hing in der Küche an einem Haken ein lederner Eimer", so Schmitz. Brach ein Feuer aus, bildeten die Winterscheider eine Eimerkette von Löschteich bis zum Brandherd. Die Chance, das brennende Haus zu retten, war dennoch gleich null. "Also beschränkte man sich darauf, die Nebengebäude zu schützen", erzählt Schmitz.

Gelebt wurde von dem, was Garten und Feld hergaben. Weißkohl und Bohnen wurden eingelegt und kamen als Eintopf auf den Tisch. Zum Frühstück gab es meist Haferbrei. Die Kartoffel war noch nicht bekannt.

Statt Pferden gab es Ochsen und Kühe als Zugtiere. Aus der Wolle der Schafe strickten und häkelten die Frauen Kleidung, gerade für die kalten Tage. Heizen war da nämlich aufwendig, meist war nur die Wohnküche wirklich warm. Im Bett lag deshalb gerne mal ein im Ofen erhitzter Ziegelstein. Foto: Josef Krill aus Hatterscheid pflügt (Winterscheider Heimatjahrbuch)

Wie ein 300 Jahre altes Fachwerkhaus restauriert wurde, darüber schreibt Irmgard Mitschke. Willi Klischat berichtet über seine Zeit als Kriegsgefangener in Stalingrad und die spätere Versöhnung. Nicht fehlen darf die Rubrik "Extra Platt", in der ein ganzer Text auf Platt und mit hochdeutscher Übersetzung steht.

Das Heimatjahrbuch blickt aber auch auf die nähere Vergangenheit zurück. Es gibt Texte und Bilder zum verheerenden Hagelsturm des vergangenen Jahres und die Flüchtlinge, die in Winterscheid eine neue Heimat gefunden haben.

Da zieht Autor Hans-Joachim Schneppel einen interessanten Vergleich: aus einem Rundschau-Artikel des Jahres 1947 zitiert er, dass knapp 95500 Ostflüchtlinge nach Nordrhein-Westfalen kamen. Auf 1000 Einwohner kamen somit 79 Flüchtlinge. Auf die heutige Zeit übertragen: In der EU leben etwa 500 Millionen Menschen – kommen 2 Millionen Flüchtlinge nach Europa, sei das  so, als würden in einen Saal mit 500 Gästen noch zwei dazukommen.

Das neue Winterscheider Heimatjahrbuch gibt es ab sofort in Winterscheid im Backshop Petra Krey und bei den Banken zu kaufen. Auf der Kirmes vom 13. bis 15. August gibt es zudem einen Verkaufsstand, an dem auch die Sonderausgabe Nummer 3 gekauft werden kann. Außerdem können Bestellungen an joachim-schneppel(at)t-online.de aufgegeben werden.

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