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Internetmagazin für Ruppichteroth und den Rhein-Sieg-Kreis

Denkmal, Mahnmal, Ehrenmal

Bedeutender Platz mit vielen Namen

Von Nicolas Ottersbach | | Magazin

Als vor einer Woche das Denkmal im Ruppichterother Ortskern Schauplatz einer Demo gegen Corona-Maßnahmen war, empfanden viele den gewählten Ort als unpassend. Der Heimatforscher Wolfgang Eilmes hat sich schon häufiger mit dem Platz beschäftigt. Er fand heraus, dass der Platz keinen eindeutigen Namen hat und sich mit den Jahren auch die Wahrnehmung der Bevölkerung änderte. Foto: Im Frühjahr 2021 pflanzte die Gemeinde am Denkmal neue Bäume [Nicolas Ottersbach]

Die Geschichte des Ehrenmals auf www.bilderbuch-ruppichteroth.de

Recherche zu den Namen des Platzes

Ehrenmal, Kriegerehrenmal, Kriegerdenkmal, Ehrenmal, Mahnmal, Kriegergedächtnisstätte, Denkmal oder Gedächtnisstätte. "Als Ruppichterother kann man sich mit irgendeinem der oben angeführten acht Namen an dem Grundstück östlich des ALDI-Marktes verabreden und fast jeder Ruppichterother weiß, welche Stelle gemeint ist", schreibt Wolfgang Eilmes auf www.bilderbuch-ruppichteroth.de. Einen offiziellen, - also einen, wie bei Straßennamen üblich durch einen Beschluss des Gemeinderates festgelegten - Namen gibt es wohl nicht. Eilmes fand bei seinen Recherchen heraus, dass die verschiedenen Bezeichnungen zu unterschiedlichen Zeiten entstanden. Manche verschwanden, manche bürgerten sich ein, manche wurden einfach nur als Synonyme benutzt, obwohl sie unterschiedliche Bedeutungen haben.

Fest steht: Am Denkmal gedenkt die Ruppichterother Bevölkerung ihrer durch Krieg und Ermordung verstorbenen Mitbürger. Bis 2017 hatte es sechs Tafeln, von denen zwei auf der rechten Seite des Kreuzes 2017 gestohlen und eine beschädigt wurde. Bis heute wurden sie nicht ersetzt. Von 1939 bis 1945 starben 152 Ruppichterother an den Folgen des Krieges. 23 jüdische Mitbürger wurden ermordet, 19 konnten sich diesem Schicksal nur durch Flucht in die USA und nach Israel entziehen. Anfang der 2000er Jahre wurde deshalb eine Tafel mit den Namen der 23 jüdischen Opfer aus Ruppichteroth, die in den Konzentrationslagern von den Nazis umgebracht wurden, angebracht.

Kein Name auf Karten

Heute blickt man für Straßennamen zunächst auf Google Maps - und entdeckt nichts. Der Platz ist schlichtweg nicht aufgeführt. "Die Macher von Google Maps und Google Earth haben wohl festgestellt oder entschieden: einen Platz, der keinen eindeutigen oder gar offiziellen Namen hat, kann man auch nicht als solchen auf einer Karte eintragen", so Eilmes. Östlich gibt es jedoch einen Straßennamen für drei Häuser: Am Denkmal. "Man sollte annehmen, dass der besagte Platz als Denkmal gemeint ist. Diese Straße wurde in den 1960er Jahren angelegt." Auf zwei Faltkarten der Gemeinde Ruppichteroth, die wohl in den 1990 Jahren gedruckt wurden, ist an der Stelle des Platzes lediglich ein Symbol, aber kein Name eingetragen. Dies gilt ebenso für den Kommunalen Infoplan der Gemeinde Ruppichteroth von 2004.

Allerdings gibt es in verschiedenen Schriftstücken einige Titel, die in den vergangenen Jahrzehnten genutzt wurden. Eilmes hat dafür viele Dokumente, auch im Archiv der Gemeinde, gewälzt. Die RSVG benennt die dort gelegene Bushaltestelle noch heute "Ruppichteroth Denkmal". "Diese Bushaltestelle wurde als zweite Ruppichterother Bushaltestelle (nach Ruppichteroth Bahnhof) in den 1960er Jahren eingerichtet und hieß damals Ruppichteroth Ost", erklärt Eilmes auf www.bilderbuch-ruppichteroth.de.

Verein wählt 1957 den Begriff Kriegerdenkmal

Der Begriff Kriegerdenkmal wurde erstmals für diesen Platz in der Einladung für die Neugründung des Kameradschaftlichen Vereins in der Tagesordnung für den 30. März 1957 benutzt: „Beratung über die kommenden Aufgaben des kameradschaftlichen Vereins insbesondere auch über die Erstellung eines Kriegerehrenmals“. Der Verein war der Hauptinitiator des Ehrenmals. In der genannten Vereinssatzung von 1957 gibt der Verein als Gründungsdatum das Jahr 1866 an. Der ursprüngliche Name des Vereins war  „Kameradschaftlicher Krieger-Verein Ruppichteroth", wie aus einer aus dem Jahre 1895 stammenden Satzung hervorgeht, so Eilmes.

Im Schreiben vom 12. Mai 1957 beschließt der Kameradschaftliche Verein, einen Antrag auf "Erstellung eines Ehrenmals" an die Gemeindevertretung Ruppichteroth zu richten. Der Name Ehrenmal wird auch heute noch bei der Einladung zur jährlichen Gedenkfeier im November benutzt. Drei Monate später beschließt der Verein, „daß die Initiative zum Bau der "Kriegergedächtnisstätte … von diesem ergriffen wird". In einem anderen Protokoll werden in einem Schreiben sowohl die Begriffe Kriegergedächtnisstätte als auch Ehrenmal verwendet.

Der Oberkreisdirektor des Siegkreises spricht in seinem Schreiben vom 28. April 1958, in welchem er eine Haussammlung in Ruppichteroth für das Projekt des Kameradschaftlichen Vereines genehmigt, erstmals von der Gedächtnisstätte. In einem Schreiben der Gemeinde Ruppichteroth zur "Unterhaltung und Pflege des Ehrenmals" wird mehrfach sowohl der Name Ehrenmal als auch Kriegerdenkmal benutzt.

2021 nennt die Gemeinde es "Mahnmal"

2021 wurde von der Ruppichterother Gemeindeverwaltung in einem Schreiben die Bezeichnung Mahnmal gewählt.

"Wenn man die Duden-Definitionen zugrunde legt, fallen einige bisher benutzten Definitionen sicherlich als unzutreffend weg", schreibt Eilmes auf www.bilderbuch-ruppichteroth.de. So ist ein Ehrenmal ein "zu Ehren bedeutender Persönlichkeiten oder der Gefallenen [eines Krieges] errichtetes größeres Denkmal". Ein Kriegerdenkmal ist zum Gedenken an die Gefallenen eines Krieges gedacht. "Die Verwendung der unterschiedlichen Namen zeigt den Wandel in der Wahrnehmung der Bedeutung dieses Platzes im Laufe der Jahrzehnte seit 1959", so Eilmes.

Korrektur: In einer ersten Version des Artikels schrieben wir, dass sich die Bedeutung des Mahnmals änderte. Gemeint war aber die Wahrnehmung der Bevölkerung.

Kommentare

  • Jürgen Lang 07.01.2022 um 22:26

    Eigentlich schreibe ich ja selten Kommentare, möchte aber dennoch einmal Stellung zu den aktuellen Diskussionen beziehen (muss ja keiner lesen):

    Ich persönlich finde, dass es gar nicht relevant ist, ob ein solcher Platz einen offiziellen Namen hat.

    Ein Ehrenmal, oder Denkmal, oder wie auch immer, wird deswegen ja nicht minder zu einem Symbol für den Inhalt, für den es steht.

    In diesem Fall handelt es sich um eine Stelle, an der wir Bürgern unserer Gemeinde gedenken, die entweder als Soldaten im Krieg gefallen sind, als auch den jüdischen Mitbewohnern, die deportiert und ermordet wurden.

    Hierfür steht dieser Platz und das entsprechende Denkmal, Ehrenmal, oder wie auch immer man es nennen mag.

    Allen diesen Menschen, die Opfer dieser Systeme wurden, wurde zum Verhängnis, dass es in ihrer Zeit eben keine Demokratie gab.

    Insofern finde ich es sehr befremdlich, dass heutzutage Menschen diesen Ort missbrauchen, um im Rahmen von Demonstrationen gegen COVID-Maßnahmen unserer Regierung (gegen die man natürlich sein darf - soviel muss eine Demokratie aushalten) einen Zusammenhang zwischen der heutigen Situation und den damaligen Zeiten herzustellen (Aussage des Organisators).

    Es ist ein Schlag ins Gesicht aller Opfer dieser damaligen Zeit, da ein Vergleich inhaltlich absurd ist. Nie durften Menschen mehr Ihre Meinung äußern, als heutzutage, egal ob sinnvoll, oder nicht.

    Im Gegensatz hierzu hatten die Menschen im Dritten Reich beispielsweise keine wirkliche Wahl, nachdem die Nazis an der Macht waren.

    Ich empfinde die Standortwahl für die aktuellen Demonstrationen als Schmähung der Opfer damaliger Zeiten (auch dies ist natürlich eine persönliche, subjektive Meinung).

    Seid gerne wogegen Ihr auch immer seid und wenn Ihr dies öffentlich demonstrieren wollt / müsst, dann tut das halt eben, denn Ihr dürft das zum Glück in diesem Land, in dem wir Gottseidank in einer Demokratie leben und Meinungsfreiheit haben.

    Aber vergleicht Eure ach so schlimme Situation nicht mit der Situation jener, die wirklich Schreckliches über sich ergehen lassen mussten.

    Ihr habt eine andere Meinung zu Impfung und den Maßnahmen unserer Regierung - das ist absolut in Ordnung.

    Ihr stellt einen Vergleich zum Dritten Reich her - das ist inhaltlich falsch und keine Frage von Meinungsfreiheit, sondern Bagatellisierung der Verbrechen im Dritten Reich und damit eine Beleidigung all jener, denen an diesem Ehrenmal (oder wie auch immer) gedacht wird.

    Mir ist klar, dass der Platz natürlich bewusst gewählt wurde (marketing-technisch eine clevere Entscheidung), aber ein wenig Respekt würde Euch mehr Verständnis einbringen, vielleicht ist das eine Überlegung wert?

  • Manfred Rodeck 04.01.2022 um 14:14

    Ich wünsche mir, dass auch eine Tafel mit den Mauer-Toten durch die SED-Schergen angebracht wird. Unsere Geschichte hört schließlich nicht 1945 auf. Und da in Ruppichteroth sehr viele Russland-Deutsche wohne, die Tyrannei im Osten mitgemacht haben, wäre das nur angebracht.

    • Alenfelder 07.01.2022 um 08:35

      Kurze Verständnisfrage. Wieviele Ruppichterother sind an der Mauer zur DDR ums leben gekommen?

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