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Plötzliche Schließung

Das Bröltal-Bad braucht eine neue Filteranlage und eine millionenschwere Sanierung

Von Nicolas Ottersbach | | Wirtschaft/Politik

Eigentlich sollten im Bröltal-Bad längst wieder Grundschüler ihre ersten Bahnen ziehen und Vereine trainieren. Doch stattdessen herrscht gähnende Leere und die Pumpen stehen still. Was Anfang August mit einer scheinbar überschaubaren technischen Zwangspause begann, hat sich zu einer monatelangen Schließung ausgewachsen. Bis zum 31. Januar 2027 wird das Ruppichterother Hallenbad seine Türen nicht mehr öffnen. Foto: Das Bröltal-Bad bleibt länger geschlossen [Nicolas Ottersbach]

Wie der Ruppichterother Bürgermeister Matthias Jedich erklärt, ist die sogenannte Ultrafiltrationsanlage, die für die Aufbereitung des Badewassers notwendig ist, kaputt. Vor allem der Schaltschrank und die dazugehörige Elektrik machten massive Probleme. Zunächst hatte die Gemeinde gehofft, die Wassertechnik kurzfristig instand setzen zu können. „Nach intensiven Untersuchungen von mehreren Experten steht jetzt aber fest, dass eine Reparatur nicht mehr möglich und eine Erneuerung erforderlich ist“, so Jedich. Diese muss nach Einschätzung der Fachleute die gesamte Anlage samt Zuleitungen umfassen. 

Deshalb ist eine Reparatur so schwierig

Die Ursachenforschung im Keller des Hallenbades glich dabei einer Spurensuche mit vielen Hürden. „Der Hersteller dieser Anlage hat sich selbst schon vor längerer Zeit aus dieser Sparte verabschiedet“, erklärt Jedich. Das habe schon in den vergangenen Jahren immer wieder zu Problemen geführt, wenn Wartungen anstanden oder Reparaturen nötig wurden. Um die jetzige Anlage doch noch zu retten, zog die Gemeinde verschiedene Fachfirmen hinzu. Das Ergebnis war ernüchternd: Eine Reparatur hätte den großflächigen Austausch von Kernkomponenten erfordert. Kostenmäßig hätte dies nach Einschätzungen der Experten keinen Unterschied zu einer Neuanschaffung gemacht. 

Allein für die Lieferung der speziellen Ersatzteile nannten Fachbetriebe eine Wartezeit von rund neun Monaten – die aufwendige Montage noch nicht eingerechnet. Zudem wäre so lediglich eine Kernkomponente erneuert worden. Die übrigen Komponenten der inzwischen in die Jahre gekommenen Anlage wären trotz ihres Alters, ihrer bisherigen Störanfälligkeit und entsprechender Verschleißerscheinungen weiterhin im Einsatz geblieben. Die vorgesehene neue Anlage ist technisch deutlich weniger komplex als die bisherige, erfüllt aber die Anforderungen des Bröltal-Bades vollständig und bietet zugleich den Vorteil, dass für die Anlage wieder ein verlässlicher Wartungs- und Servicepartner zur Verfügung steht, so Jedich. Die Gemeindeverwaltung schlägt dem Rat deshalb eine vollständige Erneuerung vor.

„Man kann sich vorstellen, wie viele Fäuste in der Tasche geballt wurden"

Dass die Schließung nun bis zum 31. Januar 2027 datiert wurde, hat praktische Gründe. „Wir haben uns dabei am Schulhalbjahr orientiert“, sagt Jedich. So erhalten Schulen und Vereine wie die DLRG eine verlässliche Planungsgrundlage für das Winterhalbjahr, auch wenn das Aussetzen des Schwimmunterrichts ein harter Einschnitt ist. Sollten die Arbeiten schneller vorankommen, werde man das Bad früher wieder aufschließen. Für den Bürgermeister ist die Zwangspause besonders ärgerlich, weil die Gemeinde in den Sommerferien noch freien Eintritt für Kinder ermöglicht hatte: „Man kann sich vorstellen, wie viele Fäuste in der Tasche geballt wurden, als kurz darauf der Defekt kam.“ 

Einfach eine neue Filteranlage bestellen kann die Verwaltung allerdings nicht. Bei den voraussichtlichen Kosten darf der Bürgermeister nicht eigenmächtig entscheiden. Zwingend erforderlich ist ein Beschluss des Gemeinderats. Zudem sind bei der Beauftragung die Vorgaben des öffentlichen Vergaberechts zu beachten. 

Umfassende Sanierung geplant

Komplizierter wird die Situation durch ein übergeordnetes Projekt: Die Gemeinde hat das Bröltal-Bad bereits vor einiger Zeit für ein umfassendes Förderprogramm für kommunale Sport- und Schwimmstätten angemeldet. Denn neben der Filterpumpe hat die Einrichtung einen erheblichen Sanierungsrückstau. Geplant sind eine Sanierung und Modernisierung mit einem Volumen von rund fünf Millionen Euro netto. Bei einer Förderquote von 75 Prozent verbliebe bei der Gemeinde ein Eigenanteil von rund 1,24 Millionen Euro netto. 

Das Maßnahmenpaket umfasst unter anderem die Sanierung, die Erneuerung der Glasfassade zur B478 hin samt einer neuen Terrasse zur Liegewiese, einen zusätzlichen Raum für die DLRG sowie Maßnahmen zur energetischen Optimierung einschließlich der Heizungsanlage und eines Batteriespeichers. Ursprünglich war auch die Erneuerung der Ultrafiltration Bestandteil dieses Gesamtpakets. Ob die Gemeinde den erhofften Förderzuschlag für das Millionenpaket erhält, entscheidet sich laut Aussage des Fördergebers im Laufe des Septembers. 

Wer soll das bezahlen?

Daraus ergibt sich für die Ratssitzung im Oktober eine strategische Weichenstellung. Wartet die Kommune auf den Förderbescheid und wickelt die Filtertechnik über das Gesamtprojekt ab, drohen Verzögerungen, da für Fördermittel das gesamte Paket ausgeschrieben und vergeben werden muss. Alternativ könnte der Rat entscheiden, die Filteranlage unabhängig von der Großförderung sofort anzugehen. Zur Finanzierung der notwendigen Erneuerung kämen Mittel aus der NRW-Strukturförderung infrage, oder die Gemeinde müsste den Betrag direkt im kommunalen Haushalt abbilden. 

Dass der Betrieb eines eigenen Bades für eine Kommune von der Größe Ruppichteroths keine Selbstverständlichkeit ist, verschweigt Jedich nicht. Das Bad stellt eine beträchtliche Last im Gemeindehaushalt dar. Dennoch stehe das Angebot für Lebensqualität und Daseinsvorsorge, gerade weil Nachbarkommunen den Schwimmunterricht mangels eigener Wasserflächen oft nur noch schwer sicherstellen können. Gleichzeitig sei es eine Gratwanderung zwischen Bürgerwünschen und Haushaltsdisziplin. Während in der Öffentlichkeit vehement Investitionen in das Bad gefordert würden, gerate die Einrichtung bei kommunalen Spardebatten und Diskussionen über Hebesätze schnell wieder ins Visier von Sparappellen.

Kommentare

  • Tim
    28.09.2026 At 07:05

    Ganz ehrlich, von jetzt auf gleich soll alles kaputt sein? Das glaube ich nicht. Das alles in die Jahre gekommen ist bezweifel ich nicht. Aber wie bei so vielen Vorhaben würde ich aus Erfahrung und Explosion von Kosten auf eine Sanierung verzichten. Das alte Schwimmbad notdürftig reparieren und dann parallel ein neues modernes bauen.

    Auf das aktuelle Bad bezogen, es will sich nur keine Firma mit fremden alten Anlage beschäftigen. Aber sehen das Geld in einer Komplettsanierung. Ich arbeite selbst als Haustechniker in öffentlichen Dienst. Ich sehe sowas immer wieder. Ich würden mir die Anlage ja gerne mal selbst anschauen.

  • Manslayer
    27.09.2026 At 08:00

    Ich denke, das ist ein weiterer Teil der Altlasten, die unser Bürgermeister nun wieder richten muss. Die Gemeinde ist teilweise so unattraktiv geworden, gleichzeitig gibt es viele Pläne, die diese Ortschaft schöner und lebenswerter machen werden. Ich freue mich auf die Umsetzung und bin guter Dinge, dass diese mehr Lebensqualität bringen werden.

    Es wurde hier ein zu einrichtender Fördertopf vorgeschlagen und noch ist es nur ein Teil in einem Internetkommentar, von dem niemand weiß, ob sich jemand dieser Aufgabe annehmen wird. Also, wer könnte sich darum kümmern? Gibt es hier Leser vom DLRG Ruppichteroth, von den Schulen und vielleicht Eltern, die in der Gemeindeverwaltung arbeiten und sich verbinden können und beginnen?

  • Bernd Winkler
    24.09.2026 At 07:56

    Liebe Sara, erstmal "Danke" und super alles was du da kommentierst, sehe ich genauso, ich habe die Grundschule von 1968-1972 besucht und in dieser Zeit das "Schwimmen" gelernt, damals Frei- und Fahrtenschwimmer und dann den "Jugendschwimmschein". Stolz die drei Abzeichen von meiner Mutter auf die Badebüx genäht zu bekommen. Anschließend noch einige Zeit am "DLRG" teilgenommen und natürlich jeden Samstagnachmittag ins Schwimmbad.

    In der weiterführenden Schule in Waldbröl, wurde dann in der sechsten Klasse für ein halbes Jahr, in den damals so betitelten "Leibesübungen" Schwimmunterricht gegeben. Wir waren zwei Jungs aus Ruppichteroth in dieser Klasse und die einzigen die Schwimmen konnten und uns auch dann frei in dem kleinen Bad in Waldbröl bewegen durften. Das einzige mal, dass ich im Sportunterricht die Note "Sehr Gut" bekommen habe.

    Also liebe Verantwortlichen, sehr geehrter Herr Bürgermeister gebt unseren Kindern die Chance dies zu erlernen, ich spreche auch als "Opa" von 4 Enkeln und die erste davon ist gerade vor wenigen Wochen eingeschult worden.

    Wie enorm wichtig es ist, dass Kinder schwimmen lernen, damit Gefahren besser einschätzen können und selbstbewusster werden. Es ist außerdem ein wichtiger Ort kindlicher Begegnung und Förderung von kultureller Begegnung in Zeiten von steigendem Individualismus und Selbstoptimierung.

    Vielleicht ist es ja auch hilfreich einen Fördertopf einzurichten, dieser sollte aber dann ausschließlich für den Unterhalt zur Freizeit in dem Bad dienen, damit es auch außerhalb der wichtigen notwendigen Angebote wie Schulschwimmen etc. geöffnet werden kann.

    Ich erwarte, dass die Sanierung oder Reparatur schleunigst von Statten geht!

    • Michael Stommel
      25.09.2026 At 10:49

      Hallo und guten Tag Herr Winkler. Auch ich lernte hier das Schwimmen, Frei, Fahrten, Jugendschwimmer und später in der Schule den DLRG Grundschein ... die Badebüx war eigentlich zu klein für all diese mit Stolz getragenen Abzeichen. Als Schüümer Jungs fuhren wir einmal pro Woche mit dem Bus ins Doorp zum schwimmen, schöne Erinnerung. Wie wichtig war es für uns schwimmen zu können, ein Hallenbad zu haben für das Schulschwimmen und natürlich für den DLRG, traurig ist allerdings das dieses Hallenbad leider mehr schlecht als Recht über die Runden kommt.

      Ich möchte nochmal auf ihre Idee mit dem Fördertopf zurückkommen, eine Förderung durch interessierte Bürger und Vereine, zweckgebunden für Bad, mit Spendenbescheinigung und anteilig freiem Eintritt für Förderer könnte ich mir vorstellen. Ein Förderverein mit einer Gemeinnützigkeit zum Erhalt und dem Unterhalt (als Unterhaltungszuschuss) des Bröltalbad, könnte und sollte der Gemeinde ein wenig Luft verschaffen und helfen dieses Hallenbad zu erhalten und den Betrieb stück für stück zu sichern.

      Es ist eine Idee die Mitstreiter und Sachkundige sucht, die Zeit und Einsatz fordert, aber auch Zielführend sein kann und sollte. Die Bürger, Schulen und Vereine der Gemeinde sollten einmal laut darüber nachdenken, ob wie und wann geholfen werden kann. Geehrter Rat der Gemeinde, Herr Bürgermeister, denkt mit, helft mit und bringt den Stein ins Rollen.

      • Franz Josef Kraus
        27.09.2026 At 18:11

        Herr Stommel würden sie und Herr Winkler sich als Organisatoren für einen Fördertopf ins Leben zu rufen zu Verfügung stellen. Wer fordert sollte sich auch einbringen

        • Michael Stommel
          28.09.2026 At 12:30

          Hallo Herr Kraus. Erstmal herzlichen Dank für das Lesen meines Kommentar. Gern würde ich eine solche Organisation übernehmen, ist es doch eine wichtige und gute Sache welche der Allgemeinheit dient. Leider kann ich eine solche Aufgabe aus gesundheitlichen Gründen (welche ich hier in der Öffentlichkeit nicht wirklich erörtern möchte) nicht wahrnehmen.

          Sicherlich denken Sie und andere jetzt, Feigling oder Drückeberger, erst groß reden und dann kneifen, das soll ein jeder so für dich ausmachen wie er es für richtig empfindet. Aber wie wäre es mit ihnen Herr Kraus? Gruss Michael Stommel

          • Manslayer
            29.09.2026 At 19:25

            Hallo Herr Stommel, beim Lesen Ihres Kommentars denkt sicherlich niemand, dass Sie sich drücken wollen. Sie haben es kurz erklärt und allein, dass Sie die Idee eingebracht haben ist eine tolle Sache und die können ja auch andere weiterführen. Ihnen ein großes Danke, dass Sie Probleme in der persönlichen Gesundheit den Blick auf andere Dinge nicht verloren haben und sich einbringen. Alles Gute, Manslayer

  • Sara Blume
    22.09.2026 At 19:52

    Mir tun die Schulkinder sehr leid, denn es ist wirklich traurig, dass sich die Schließung so lange hinzieht. Ich selbst hatte das Glück, das Bröltal-Bad in meiner Kindheit regelmäßig nutzen zu können. Die Besuche dort waren für mich immer etwas ganz Besonderes und sind bis heute schöne Erinnerungen.

    Früher konnte man nicht nur schwimmen, sondern draußen auch gemeinsam picknicken, Fußball oder Volleyball spielen. Es war ein lebendiger Ort, an dem Familien, Kinder und Freunde eine schöne Zeit miteinander verbringen konnten. Umso trauriger ist es zu sehen, wie leer und still das Bröltal-Bad heute geworden ist.

    Gerade in der heutigen Zeit brauchen Kinder solche Orte für Bewegung, Gemeinschaft und unbeschwerte Erlebnisse. Besonders leid tun mir die Kinder, die sich schon so sehr darauf gefreut haben, schwimmen zu lernen oder ihr Seepferdchen zu machen.

    Ich hoffe von Herzen, dass die notwendigen Arbeiten so schnell wie möglich umgesetzt werden und das Bröltal-Bad anschließend vielleicht sogar mit längeren Öffnungszeiten wieder für alle da sein kann.

    Lieber Herr Bürgermeister, falls Sie diesen Kommentar lesen: Bitte setzen Sie sich weiterhin mit aller Kraft dafür ein. Viele Kinder und Familien hoffen auf Sie und ich glaube daran, dass Sie etwas bewirken können!

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