Seit Jahren prägen teilweiser Leerstand und Verfall alte Huwil-Werk 2 mitten in Ruppichteroth. Doch das soll sich nun ändern: Das Gelände des BröltalCenters steht vor einer tiefgreifenden Transformation. Ein Investor möchte das zentrale Areal komplett neu entwickeln, ohne dabei die historische Substanz aufzugeben. Für die Gemeinde ist das Vorhaben ein wichtiger Meilenstein. „Es wertet nicht nur das Ortsbild auf, sondern es ist eine riesengroße Chance für uns, für Ruppichteroth“, sagt Bürgermeister Matthias Jedich.
Erhalt statt Abriss
Die Pläne des aktuellen Grundstückseigentümers, der Ostia GmbH von Hannspaul Egge, sehen ausdrücklich keinen radikalen Kahlschlag vor. Stattdessen soll die Neuentwicklung unter weitgehendem Erhalt und der Sanierung der bestehenden Backsteingebäude und Hallen aus den 1960er Jahren erfolgen. Ziel ist es, einen lebendigen und attraktiven Nutzungsmix mitten im Ort zu installieren. Ziel ist es, einen lebendigen und attraktiven Nutzungsmix mitten im Ort zu installieren. Egge hat genaue Vorstellungen für das neue Viertel nahe des Ortskerns. Im langgestreckten Gebäude hinter dem markanten Bürohaus an der Zufahrt sollen erschwingliche Appartements entstehen. Diese seien vor allem für junge Leute, Singles oder auch Pflegekräfte gedacht – Wohnraum, der in Ruppichteroth bislang fehle, wie der 64-jährige Investor berichtet. Gegenüber sei ein Markt mit kleineren Einzelhandelsgeschäften und Maisonettewohnungen vorgesehen, um die Nahversorgung langfristig zu sichern.
Der hintere Teil des langgestreckten Areals soll Platz für nicht störendes Kleingewerbe bieten. Entlang des Waldbrölbaches plant der Entwickler zudem Gastronomieflächen, zu denen auch ein Biergarten und verschiedene Freizeitangebote gehören könnten. Selbst das Pförtnerhäuschen an der Eitorfer Straße hat bereits eine zugedachte Funktion: Es eigne sich ideal für einen Kiosk oder eine Eisdiele. F
Für Bürgermeister Jedich ist diese Mischung ein Gewinn: "Tolles Gewerbe, ein tolles Boardinghaus, tolle Wohnkonzepte, aber auch Einzelhandel und Gastronomie noch mal hierherzubekommen. Es schafft am Ende des Tages Angebote für Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger."
Ein Ende des Stillstands
Dass auf dem zentralen Areal dringend gehandelt werden muss, darüber herrscht in der Gemeinde Konsens. Das Gelände wird seit Jahren nicht mehr vollständig genutzt. Rund 27.000 Quadratmeter des Geländes stehen zu 95 Prozent leer. Lediglich in einem ehemaligen Fitnessstudio, das die Gemeinde angemietet hat, sind derzeit Geflüchtete untergebracht; laut Verwaltung allerdings ausdrücklich nur als Übergangslösung. Wo früher Leben herrschte, drohten zuletzt dauerhafter Leerstand und fortschreitender Verfall - sogar Dächer stürzen ein. Mit dem Einstieg des Investors sieht die Verwaltung nun die Gelegenheit gekommen, das Ortsbild dauerhaft aufzuwerten und neue Angebote für die Bürger zu schaffen. „Wir freuen uns sehr, dass wir einen tollen Investor gefunden haben, der solch ein Projekt hier bei uns in Ruppichteroth umsetzen möchte", sagt Jedich.
Investor Egge hatte das Gelände bereits im Jahr 2015 aus einer Zwangsversteigerung erworben, nachdem die heutige VR-Bank Bonn Rhein-Sieg an ihn herangetreten war. Altlasten der Industrie hätten die Nutzung über Jahre massiv erschwert. Inzwischen wähnt man sich jedoch auf einem guten Weg. Nach zahlreichen Untersuchungen, Bohrungen und Gutachten liege nun die verlässliche Gewissheit vor, dass von den Altlasten keine Gefahr ausgehe. Diese seien „geostationär“, also in nicht durchlässigen Bodenschichten dauerhaft konserviert.
Dass ein solches Projekt Geduld erfordert, weiß Egge aus Siegburg. Dort entwickelte er das 35.000 Quadratmeter große Phrix-Areal. Rund um den markanten Uhrenturm ist in den vergangenen Jahren das erfolgreiche „Turm-Center“ mit einem Mix aus Gewerbe, Freizeit und Gastronomie entstanden. In Ruppichteroth will er einen unteren zweistelligen Millionenbetrag investieren.
Bürger bis Juni am Zug
Endgültig beschlossen sind die Pläne allerdings noch nicht. Das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 1.02/4 „Gewerbegebiet Ruppichteroth Süd/Ost“ hat gerade erst die ersten politischen Hürden genommen. Nach dem Durchlauf durch den Planungsausschuss befindet sich das Projekt aktuell in der Phase der sogenannten frühzeitigen Bürgerbeteiligung. Für die Einwohner von Ruppichteroth bedeutet dies die Chance, ihre Ideen, Anregungen und auch Bedenken einzubringen, bevor konkrete und rechtlich bindende Festsetzungen getroffen werden.
„Jetzt in der frühzeitigen Bürgerbeteiligung sind Sie am Zug“, fordert der Bürgermeister die Bevölkerung zum Mitmachen auf. Wer sich selbst ein detailliertes Bild von den städtebaulichen Konzepten oder den dazugehörigen Fachgutachten – wie dem Verkehrsgutachten oder der artenschutzrechtlichen Prüfung – machen möchte, kann die kompletten Unterlagen im Rathaus der Gemeinde einsehen oder abholen. Alternativ stehen alle Dokumente online auf der Homepage der Gemeinde unter den aktuellen Bauleitplanverfahren bereit.
Allzu viel Zeit bleibt für das Einreichen von Stellungnahmen allerdings nicht mehr: Die Frist für die Bürgerbeteiligung läuft noch bis zum 21. Juni 2026. Drei bis fünf Jahre könnte das gesamte Verfahren dauern, schätzt Bürgermeister Jedich.






Kommentare
Markus
07.06.2026 At 19:51
Nicht störendes Kleingewerbe … so sieht die Zukunft aus … weiter so … in mehr als 10 Jahren hat der derzeitige Eigentümer nichts auf die Kette bekommen. Wer zahlt?
Micha
09.06.2026 At 14:04
Hallo und guten Tag Markus
Zu ihrer Frage wer zahlt denke ich das noch ansässige "störende Kleingewerbe", wobei ich mich Frage was ist nicht störendes Kleingewerbe und wo sollte man das störende Kleingewerbe ansiedeln, welches ja als unpassend befunden wurde und somit umzusiedeln ist. Hoffentlich verlassen nicht zu viele der "kleinen Störenfriede" unsere Gemeinde ... es sind Arbeitsplätze, welche nicht zu üppig in der Gemeinde Ruppichteroth gesät sind!
Einen grossen Teil der Kosten trägt dann wie üblich der Steuerzahler in irgend einer Form von Förderungen oder sonstigen Zuschüssen.
Das der Eigentümer, wie sie sagen, in mehr als 10 Jahren nichts auf die Kette bekommen hat, ist glaube ich nicht nur dem Eigentümer geschuldet ... nein ich glaube und denke, das auch ein gewisser politischer Aspekt hier ein Wegbereiter sein könnte, oder auch ist.
Wenn man Irgendwann feststellt das auch "störendes Kleingewerbe" Steuern und somit Einnahmen für das Gemeindliche Steuersäckel generiert, dann könnte man ja auch den neu beschlossenen Hebesatz der Grundsteuer B evtl wieder Rückgängig machen.
Gruss vom Micha
Harald Schiefen
30.05.2026 At 08:13
Der Hinweis auf die "Bürgerbeteiligung" reizt mich dann doch wieder zu einem Kommentar.
Einmal habe ich versucht zum Thema "Haushalt" (Sparvorschläge u.a. wg drastischer Erhöhung der Grundsteuer B) Vorschläge zu machen. Der Umgang unter dem Gespann Loskill/CDU war unterirdisch. Man hatte das Gefühl, dass man (fachgerecht) ausgebremst wurde. Wie soll das unter CDU/CDU anders sein. Deshalb werde ich mir Vorschläge sparen; möchte aber andere schon ermutigen dies zu tun. In der Hoffnung, das die (neue) Politik damit anders umgeht!
Micha
29.05.2026 At 15:58
Es würde nicht nur mich sehr freuen wenn ein solches Vorhaben gelingen würde. Würden damit doch neben der Belebung des Ortskern,der Belebung einer (leider) industriellen Brache, auch dringend nötige Impulse für Ruppichteroth und die Gemeinde geschaffen.
In einer erst kürzlich auf Radio Bonn Rhein Sieg veröffentlichen Studie des Institut der Deutschen Wirtschaft, in der man rund 11.000 Deutsche Kommunen zur Versorgung befragte, unter anderem zu Bildung, Anbindung an ÖPNV, Schulen, schnellem Internet, Freizeit oder Ärztlicher Versorgung, belegte unsere Gemeinde lediglich den Rang 7.750. Die befragte Bevölkerung sah demnach mehr als nur einen "Wunden Punkt" der dringend bearbeitet und abgestellt werden sollte und muss.
Beseitigung von Leerstand ist hier ein erster, wenngleich auch kleiner Schritt um unsere Gemeinde wieder Liebens und Lebenswert zu machen und zu gestalten.
Wie ich finde sind unser Gemeinderat, die Verwaltung, der Bürgermeister hier in der Pflicht diese Negativen Beurteilungen und Empfindungen schnellst möglich zu bearbeiten und abzustellen. Die Bürgerschaft sollte viel aktiver beteiligt sein und werden, denn noch nie war das Rathaus und die dort gefassten Beschlüsse ferner als heute, ein Trend der sich leider Bundesweit zeigt, da oben wird regiert und da unten stöhnt das Volk.
Also hoffen wir alle darauf das mit der Umgestaltung "Werk 2" ein erster Schritt in Richtung Zukunft und Wiederbelebung gegangen werden kann und wird. Schönen Sommeranfang wünscht der Micha.
Lilly
30.05.2026 At 13:15
Hallo Micha, Ruppichteroth IST lebens- und liebenswert. Etwas mehr Attraktivität wäre wünschenswert. Möge das Projekt gelingen, vielleicht auch mit einem Seniorenheim, damit die Ruppichterother, die es leben - und liebenswert finden, hier bleiben können.
Micha
01.06.2026 At 12:59
Geehrte Frau Lilly, in meinem Komentar bezog ich mich auf die Gemeinde Ruppichteroth als gesamtes.
Das es auch im "Nabel" dem Doorp ihrer Meinung nach an einer gewissen Attraktivität fehlt und mangelt, das war schlicht nicht meine Sichtweise. Das auf einer wenig genutzten ehemaligen Industriefläche etwas neues entstehen soll, finde ich sehr begrüßenswert. Die Ansiedlung eines Altenheim fände ich persönlich sehr gut und möchte gleichzeitig auf die schon gelaufene aber wohl aus finanziellen Gründen nicht umgesetzte Planung eines ähnlichen Projektes an anderer Stelle in Ruppichteroth hinweisen.
Aber gern möchte ich nochmals auf den "Nabel" der Gemeinde Ruppichteroth, das Doorp, zurückkommen ... meines Wissens besteht die Gemeinde Ruppichteroth aus 3 Hauptorten mit insgesamt 74 Ortsteilen, von denen die meisten ohne eigenen Pkw nicht zu jeder Zeit erreichbar wären, hier mal ein großes Lob an die vielen freundlichen und unermüdlichen Fahrer und Fahrerinnen des Bürgerbus die alles daran setzen den fehlenden ÖPNV zu ersetzen.
In Schönenberg gibt es zwar eine Tankstelle und die Futterkrippe, jedoch weder ein Geschäft noch eine Bank einen Allgemein Mediziner, noch Apotheke oder sonstwen.
Winterscheid hat wenigstens den Backshop ... im Rest der Zahlreichen Ortsteile gibt es nichts ... Busse (ÖPNV) fahren im Bröl und Derenbachtal, eine ÖPNV Verbindung nach Eitorf, zum nächsten Bahnhof, auch schon lange nicht mehr, schnelles Internet (aus eigener Erfahrung bei uns nicht, man machte einen Bogen um unseren Ort, 40 Häuser sind nicht immer genug) nicht überall.
Über Kneipensterben möchte ich nicht sprechen ... das findet wohl Deutschland weit statt.
Jetzt spreche ich aus meiner Sicht ... bin nach Herzinfarkt verrentet, habe grauen und grünen Star auf beiden Augen, kann und darf dadurch nicht mehr aktiv am Straßenverkehr teilnehmen und lebe nicht im Doorp sondern außerhalb ... wenn ich mit dem Bus oder der Bahn fahren möchte muss ich gut 5 Kilometer zu Fuß gehen ... Einkaufen für mich ohne Unterstützung nicht machbar ... man richtet seine Termine nach dem wie jemand aus der Familie frei hat oder dem Fahrplan des Bürgerbus ...
Sicherlich ist der "Nabel" Doorp Lebens und Liebenswert ... allerdings sind die Mängel in den Aussenorten, welche immer weiter abgehängt werden, daß allein war und ist die Intuition meines Kommentar.
Die Initiative der örtlichen SPD, Sprechstunden auch in den Aussenorten anzubieten und die Probleme der nicht im Doorp lebenden Menschen aufzunehmen ist in diesen Bezug auf das abgehängt sein der Aussenorte, ein riesen Schritt!
Ich freue mich sehr das sie Frau Lilly sich sehr wohl in Ruppichteroth fühlen und sie sich mit ihrer Idee auch zu Wort melden um die Gemeinde Ruppichteroth weiter zu Gestalten.
Einen schönen Sommeranfang bei gutem Wetter mit einem Café und einer Eisdiele wünscht Ihnen der Micha
Micha
01.06.2026 At 14:01
Ich möchte meinem letzten Kommentaren noch etwas sehr wichtiges hinzufügen.
Ohne den beständigen und liebevollen Einsatz unserer in der Gemeinde Ruppichteroth ansässigen Vereine und Ehrenamtler, wäre unsere Gemeinde nicht nur um einiges ärmer ... nein sie wäre Bettelarm. Überall dort wo es eng wird oder die Mittel der Gemeindeverwaltung nicht mehr reichen da stehen die Menschen im Ehrenamt, welche mit Freude/Liebe und Hingabe dort ansetzen um sich für uns alle in der Gemeinde Ruppichteroth einzusetzen!
Ich möchte mich hier nochmal ausdrücklich bei den vielen fleißigen und unermüdlichen Helfern und Unterstützern in den Vereinen und im Ehrenamt der Gemeinde Ruppichteroth für ihr Handeln und ihren Einsatz bedanken! Ihr seid wichtiger als eine Wiederbelebung einer Industrie Brache, als ein Kiosk, ein Boardinghouse oder ein Seniorenheim ... ihr haltet den Laden am laufen, Stund um Stund und Tag für Tag.
Danke dafür ... war mir sehr wichtig, daß noch hinzu zufügen!
Auch euch einen schönen Sommeranfang.