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Frischling, Rehkitz und Co

Warum man junge Wildtiere nicht anfassen sollte

Von Nicolas Ottersbach | | Magazin

Im Frühling ist die Zeit der gerade geborenen und jungen Wildtiere. Wer in der Natur unterwegs ist, der kann durchaus auf hilflos wirkende Jungtiere stoßen. Sie rühren den Beschützerinstinkt an und man möchte sie anfassen. Das ist aber genau das Falsche. Foto: Für Jungtiere wie Frischlinge gilt: nicht anfassen [Kaufmann/Deutscher Jagdverband]

"Bei unverletzt aufgefundenen Jungtieren gilt immer: Nicht anfassen und möglichst zügig weitergehen", erklärt Silvia Berger, Leiterin der Abteilung Tiergesundheit des Veterinäramtes des Rhein-Sieg-Kreises. Es sei in der Natur völlig normal, dass Elterntiere ihre Jungen kurzzeitig allein zurücklassen, zum Beispiel, um Nahrung zu beschaffen. Die Jungtiere bleiben dann oftmals dicht gedrückt am Boden liegen, bis die Elterntiere zurückkehren. Wer den Wildnachwuchs aus falsch verstandener Tierliebe berührt, oder gar mitnehmen will, bringt die Jungtiere möglicherweise in Lebensgefahr. Da sich mit dem Berühren der menschliche Geruch überträgt, werden die Jungtiere danach nicht mehr von den Elterntieren angenommen. Dann sind sie tatsächlich, in der Regel auf Lebenszeit, auf den Menschen angewiesen. Denn von Menschen aufgezogene Wildtiere lassen sich kaum erfolgreich auswildern.

Hilfe durch den Menschen ist nur dann gerechtfertigt, wenn junge Wildtiere offensichtlich verletzt aufgefunden werden. "Handeln Sie in solchen Fällen aber bitte keinesfalls spontan, sondern holen Sie sich immer fachkundigen Rat ein. Tipps zum richtigen Verhalten erhalten Sie beim Veterinäramt, dem nächstgelegenen Tierarzt, dem Jagdpächter oder dem Forstamt", empfiehlt Silvia Berger. Zudem gilt: wer Wildtiere aufnimmt, ist für die art-, fach- und tierschutzgerechte Aufzucht, Haltung, Unterbringung, Auswilderung und tierärztlicher Versorgung verantwortlich und muss für die Kosten aufkommen, die das Tier verursacht. Auch ist eine dauerhafte Haltung von Wildtieren verboten.

Für Jungvögel gilt eine Ausnahme

Eine Ausnahme gilt für aus dem Nest gefallene Jungvögel. Hier muss zwischen Nestlingen, unbefiederten Jungvögeln, und Ästlingen, also befiederten Jungvöglen, unterschieden werden. Nestlinge sollten wieder ins eigene Nest zurückgesetzt werden. Eine Ausnahme stellen aus dem Nest gefallene Mauersegler oder Wanderfalken dar. Da ihre Nester meist unerreichbar hoch liegen, können sie nicht einfach zurückgelegt werden. Diese Jungvögel brauchen tatsächlich Hilfe von fachkundiger Hand. Junge, oft schon weitgehend befiederte Vögel wiederum geben ihren Eltern ihre Position durch Rufen kund. Auch diese Jungvögel brauchen trotz vermeintlicher Hilfeschreie keine Unterstützung.

Kommentare

  • Ira D. 18.04.2021 um 20:23

    Wer sich mit Tieren auskennt, erkennt, wann ein Tier in Not ist und das muß nicht nur immer ein Jungtier sein.

    Man muß nur mal die Augen aufhalten und seine Umgebung bewußt wahrnehmen. Dann finden sich die Notfälle meist auch in städtischen Gebieten oder sogar im eigenen Garten. Hilflose, flugunfähige Tauben vor Baumätkten oder von Katzen verletze Vögel oder/und Mäuse haben ebenso das Recht auf Hilfe, wie Igel, Raubvögel, etc..

    Für alle gibt es Pflegestellen, die sich auskennen.

    Wir haben hier im RSK zum Glück auch Stellen für Tauben, Igel und auch Tiere, die von einigen I..... lapidar als Schädlinge bezeichnet werden. Die Tierärzte der Umgebung wissen, wer Tauben, Nager oder andere Tieraten aufnimmt.

    Generell helfe ich allen Tieren in Not, kann aber auch abwägen, wo wirklich Hilfsbedürftigkeit besteht. Ich mache aber auch keinen Unterschied, ob es sich um eine Taube, eine Scheermaus, Wanderratte, Singvogel, Spitzmaus, Marder oder einen Frischling handelt.

  • Ulrich Röcker 08.04.2021 um 17:37

    Danke für diesen Beitrag. Zusätzlich möchte ich darum bitten Hunde in dieser Zeit der Aufzucht wirklich anzuleinen. Auch gut erzogene Hunde reagieren auf Kitze reflexartig und packen zu. Danke schön.

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