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Internetmagazin für Ruppichteroth und den Rhein-Sieg-Kreis

Willms zahlt Strafe wegen Wurstkartell

Von Nicolas Ottersbach | |   Wirtschaft/Politik

Der Fleischverarbeiter Willms aus Bröleck zahlt sein Bußgeld, das ihm vom Bundeskartellamt auferlegt wurde. Nach Angaben des Unternehmens liegt es im mittleren sechstelligen Bereich. "Wir können versichern, dass zu keinem Zeitpunkt die Existenz des Unternehmens gefährdet war und es auch jetzt nicht ist", heißt es in einer Stellungnahme. Foto: Das Werk von Willms in Bröleck [Daniel Prior]

Im Wurstkartell waren im Juli 2014 Bußgelder in Höhe von insgesamt 338,5 Millionen Euro gegen 22 Unternehmen und 33 Verantwortliche der Fleischbranche wegen Preisabsprachen verhängt worden. Darunter nicht nur bekannte Marken wie Meica, Böklunder, Wiesenhof, Herta und Rügenwalder Mühle, sondern auch Willms. Der Vorwurf: Die Hersteller hätten sich seit Jahrzehnten, insbesondere seit 2003, über Preisspannen für Brüh-, Roh-, Kochwurst und Schinken abgestimmt und dadurch höhere Preisforderungen gegenüber dem Einzelhandel durchgesetzt, erklärte die Wettbewerbsbehörde mit Sitz in Bonn. Es belegten "zahlreiche Aussagen und Unterlagen", dass ein "tradiertes Grundverständnis existierte, sich regelmäßig über Forderungen von Preiserhöhungen zu verständigen".

Bußgelder verschwinden in der Wurstlücke

Doch fünf Unternehmen davon nutzten die durch den Fall berühmt gewordene "Wurstlücke" und entkamen Bußgeldern in Höhe von 238 Millionen Euro durch konzerinterne Umstrukturierungen. Dabei wurden Tochtergesellschaften in andere Gesellschaften übertragen. In kleineren mittelständischen Unternehmen war das aufgrund der Firmenstruktur nicht möglich.

Fünf weitere Unternehmen - Willms Fleisch, Wiltmann, Heidemark, Wiesenhof, und Rügenwalder Mühle - sowie 17 persönlich Beschuldigte hatten dagegen Einspruch gegen die Bescheide eingereicht. "Die Vorwürfe des Bundeskartellamts sind unberechtigt. Die Firma Willms war nicht Mitglied im sogenannten „Atlantic-Kreis“ und zu keinem Zeitpunkt an Preisabsprachen beteiligt", hieß es 2014.

Diese Verfahren wurden nun Ende Juni 2017 vom Kartellamt an die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf abgegeben. Infolgedessen hatte erst Willms seine Beschwerde zurückgenommen und im letzten Moment auch der Geflügelverarbeiter Wiesenhof. Hintergrund dürfte gewesen sein, dass sich die Bußgelder durchaus hätten erhöhen können.

Drei Einsprüche bleiben übrig

Im Wurstkartell bleiben damit noch drei Hersteller übrig, über deren Einsprüche vor Gericht verhandelt wird: Rügenwalder, Heidemark und Wiltmann. Zuvor waren reihenweise Beteiligte ausgeschieden. Gegen Herta stellte das Kartellamt das Verfahren im Frühjahr 2017 "aus Ermessensgründen" ein. Über die "Wurstlücke" lösten sich insgesamt 238 Millionen Euro Bußgeld in Luft auf, mehr als zwei Drittel der ursprünglich 338 Millionen Euro. Die Summe entfiel fast komplett auf die Unternehmen Bell und die Tönnies-Gruppe, die so jeweils mehr als 100 Millionen Euro sparten. Auf Wiesenhof und Willms, die ihre Einsprüche zurückgenommen haben, sowie die drei Kläger vor dem Oberlandesgericht entfallen insgesamt rund 25 Millionen Euro Bußgeld.

Rechtskräftig sind dagegen die Bußgelder gegen elf Unternehmen der Fleisch- und Wurstbranche in einer Gesamthöhe von 71 Millionen Euro. Zehn davon machten von der Kronzeugenregelung Gebrauch und profitierten im Gegenzug für ihre Kooperation von reduzierten Bußgeldern.

Wichtiger Arbeitgeber in Ruppichteroth

Die Firma Willms Fleisch konnte ihren Umsatz in den vergangenen Jahren kontinuierlich steigern, investierte in den heimischen Standort und ist ein wichtiger Arbeitgeber. Das Unternehmen hat rund 250 Angestellte. Sie produzieren am Standort in Ruppichteroth Fleisch- und Wurstwaren sowie Convenience-Produkte, überwiegend aus Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch und verkauft diese überwiegend an Handelsketten, Discounter, Supermärkte und den Großhandel in Deutschland sowie in geringerem Umfang im angrenzenden europäischen Ausland. Der Markt gilt als schwierig und ist durch Preisdruck sowie stagnierendem Gesamtabsatz und aufgrund geändertem Verbraucherverhalten zunehmend fleischloser Wettbewerbsprodukte geprägt.

2016 erwirtschaftete das Unternehmen einen Gewinn von 948.000 Euro, 2015 sogar 1,6 Millionen Euro, was aber als außergewöhnlich gutes Ergebnis gilt. Der Umsatz lag 2016 bei rund 172 Millionen Euro, insgesamt wurden knapp 23.700 Tonnen Ware (2015 24.800 Tonnen) produziert und abgesetzt. 2012 lag der Umsatz noch bei rund 117,1 Millionen Euro, 2011 bei 114,5 Millionen Euro. Der Gewinn erhöhte sich damals von 328.000 Euro (2011) auf etwa 2,5 Millionen Euro (2012). 2012 wurden rund 19.000 Tonnen Fleisch und Wurstwaren produziert und abgesetzt.

Kommentare

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Dirk Düster 23.02.2018 14:08

Darf ich davon ausgehen, dass es den negativen Stimmen gegen Fa. Willms um den Bezug zur Gemeinde geht oder geht es allgemeiner um ein möglicherweise sozial-bedenkliches Geschäftsgebaren? Dann möchte ich doch mal ein paar große Firmen genannt bekommen, die sich vorbildlich verhalten und nichts zu Schulden kommen lassen. Ich will sowas wie Preisabsprachen nicht gutheißen, aber es geht immer noch ein paar Stufen schlimmer. Ich denke da zB an VW oder Nordsee (bzw die gesamten Müller-Gruppe). Teilweise mit Hilfe von Landes- oder Bundespolitik.


 
Andre Bänninger 23.02.2018 22:40

Ja, richtig. Es geht tatsächlich immer noch ein paar Stufen schlimmer. Und auch ja, ein Vergleich mit VW o. ä. hat ganz sicher einen weit größeren Umfang. Aber bloß weil die das im weit größeren Stil betreiben, wird es für die anderen nicht besser. (Übrigens gibt es aber genügend große Firmen, die sich - wie Sie es nennen - "vorbildlich" verhalten. Aber es wäre auch absolut keine entschuldigung, bloß weil es "andere" genauso oder im größeren machen.)

Es ist auch vollkommen egal, ob nun im Großen oder im Kleinen. Dieser Vergleich von Ihnen "hinkt". So "klein" ist das ganze System und der Umfang mit den Preisabsprachen nämlich nicht. Fakt ist, dass jedem mit soetwas Schaden zugefügt wird, und das lässt sich nicht kleiner, harmloser oder schöner Reden. Wenn Sie jemandem mit einem größeren Hammer oder einem kleinerem Hammer auf die Birne hauen würden, wäre das im Ergebnis ähnlich - er würde etwa gleich stark "Begeistert" und auch sicher gleich stark Sauer sein.

Hier wird der Allgemeinheit Schaden zugefügt und das gehört angemessen und gerecht bestraft! Das gleiche gilt für alle - unabhängig von der größe - und ebenso für alle koruppten Politiker!


 
Mattes 16.02.2018 17:14

Designer Schulen sind teurer.


 
Gerhard Lohfisch 11.02.2018 07:39

Was ich nicht verstehe, die machen guten Gewinn, reicht der nicht um Mindestlohn an einheimische und ausländische Mitarbeiter zu zahlen? Ein bisschen weniger Profit für die Unternehmensführung, dafür anständigen Lohn für die Mitarbeiter. Eine ekelhafte Branche...


 
Horst Alenfelder 17.02.2018 01:23

Wieso behaupten Sie dass dort kein Mindestlohn gezahlt wird?


 
Horst Alenfelder 10.02.2018 07:59

Übrigens: Jeder "Deutsche" hat die Möglichkeit über die Zeitarbeitsfirma Tremonia bei Willms zu arbeiten. Ich hätte das Angebot angenommem, habe mich aber für ein anderes Anfgebot in meinem Beruf entschieden. Tremonia zahlt mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Wenn dieses Angebot übrigens mehrheitlich osteuropäische Menschen annehmen, ist das kein Grund dieses der Firma Willms vorzuwerfen.


 
Andre Bänninger 11.02.2018 13:21

Sehr geehrter Herr Alenfelder. Gefährliches Halbwissen kann ich dazu nur sagen! Sie scheinen weder die Firma Tremonia noch die Firma Willms genau zu kennen. Erzählen lassen kann man sich immer viel, aber wie es mit der Wirklichkeit aussieht ist etwas ganz anderes.

Sicherlich kann sich jeder "Deutsche" auch bei Tremonia bewerben, und sicher könnten auch (viel) mehr "Deutsche" bei der Firma Willms arbeiten. Aber haben Sie sich überhaupt einmal die Frage gestellt, warum es kaum einer tut? Und ebenso die Frage, warum kein "Deutscher" länger dort bleibt als zum "Überleben" gerade notwendig?

Ich kenne Tremonia und auch die Willms sehr sehr gut, genauso wie deren "wunderbare Verträge" - wenn man einen solchen Wisch überhaupt so nennen darf. Aber mit diesem Wissen stehe ich auch bei weitem nicht nur ich allein da! Sie sollten sich mal echte Info's beschaffen und sich einmal mit Leuten unterhalten die darauf Pfeifen, dass sie für's Schweigen unterschreiben mussten!


 
Horst Alenfelder 12.02.2018 00:33

Naja ich habe den Arbeitsvertrag und die Bezahlung gesehen. Helfen Sie mir kurz weiter wo in ihrem Kommentar "Wissen" vorkommt.


 
Andre Bänninger 12.02.2018 10:32

Was Sie "gesehen" haben - bzw. was man Ihnen gezeigt hat, ist das eine. Die Realität ist das (leider) andere. Herzlich gerne würde ich (wir) Sie mit Belegen, Beweisen und Wissen "zuschütten". Das ist hier nur leider nicht möglich. Aber sehr gerne könnte man sich treffen. - Oder Sie warten einfach auf die nächste "Enthüllung".


 
Angie B. 09.02.2018 15:31

Produkte dieser Firmen kaufen wir nicht. Zum Glück gibt es gute Bioläden in der Nähe!


 
Frank 09.02.2018 10:55

Ich finde es auch erschreckend was da abgeht. Man muss nur mal zum Schichtwechsel an der Firma vorbeifahren, dann sieht man wer da hauptsächlich arbeitet. Wichtig ist die Firma allerdings für Privatpersonen die alte Häuser zu sehr guten Kursen als Massenunterkünfte an osteuropäische Mitarbeiter der Fa. Willms vermieten.


 
Ute Beyer 07.02.2018 09:59

Im Artikel steht, die Firma Willms sei ein wichtiger Arbeitgeber für den heimischen Standort. Tatsächlich werden doch fast ausschließlich rumänische und ungarische Bürger angestellt. Und das auch hauptsächlich über Leiharbeitsfirmen dieser Länder. Wird dadurch nicht auch unser Mindestlohn umgangen? Jedenfalls sind mir viele deutsche oder nach Deutschland geflüchtete Menschen bekannt, deren Bewerbung im Nichts verlaufen ist. Kann die Firma dann noch den Anspruch erheben, wichtiger Arbeitgeber für den heimatlichen Standort zu sein?


 
Andre Bänninger 08.02.2018 15:45

Ganz genau das ist es! Das ist exakt der Grund, warum man hier keineswegs behaupten kann, dass dieser Betrieb ein wichtiger Arbeitgeber des heimischen Standortes ist. Einzig und allein ist die Fa. Willms nur wegen der Gewerbesteuer für die Gemeinde nicht unwichtig, sonst nix. So sehen es sehr viele andere auch.

Ich kenne einige, die dort (noch) arbeiten und viele die dort gearbeitet haben. Manchen würden Augen und Ohren vom Kopf fallen, wenn sie mal erzählt bekämen was da alles so abgeht. Und das ist nicht aus den Fingern gesogen, sondern Tatsache!


 
Hartmut Hoeffgen 06.02.2018 17:24

Von Willms profitiert jeder Bürger in der Gemeinde Ruppichteroth, denn wenn es diese Firma nicht gäbe wäre unser Trinkwasserpreis viel viel höher.


 
Andre Bänninger 06.02.2018 20:42

Alles schön und gut, aber das dürfte dann auch wohl schon fast alles an "profitieren" für die Bürger der Gemeinde sein. Als "großer" Arbeitgeber für einheimische Bürger braucht Willms nun wirklich keiner darzustellen. Es ist wohl kaum eine Frage, wer und zu welch teils sehr merkwürdigen und fraglichen Bedingungen dort arbeitet (arbeiten muss). Früher war das ganz sicher mal anders.

Und außerdem ändert es absolut nichts daran, dass hier hart bestraft werden muss. Das ist nicht mehr als gerecht! Wer solche Spielchen (Preisabsprachen, usw) spielt, schadet auch letztendlich jedem Bürger.


 
Erika Siebert 27.02.2018 16:31

Und das ist für Sie dann ein Freifahrtschein einem Kartell beizuwohnen?


 
Angie B. 01.03.2018 08:26

Die Preise für das Trinkwasser mögen konstant geblieben sein, die Qualität ist es nicht. Sie ist seit ca. 2 Jahren definitiv gesunken. Das ehemals weiche, relativ kalkarme Wasser ist viel kalkhaltiger geworden, seitdem hier Oberflächenwasser beigemischt wird mit den entsprechend negativen Folgen. Davon abgesehen sind auch die Analysezertifikate zur Wasserqualität nirgendwo mehr online zu finden, so wie es früher mal üblich war. Weder beim zuständigen Wasserwerk, noch bei den Gemeindewerken Ruppi. wird man fündig. Vorher könnte man die Zertifikate eines jeden Jahres einsehen, nun nicht mehr. Warum nicht?


 
Ralf S. 04.03.2018 12:09

Wie können sie erkennen das die Qualität unseres Trinkwassers "definitiv" gesunken ist? Die Beschaffenheit unseres Trinkwassers kann unter der Seite www.wahnbach.de von jedermann eingesehen werden. Dort kann man auch einsehen in welchem Verhätnis Talsperrenwasser und Grundwasser aus Tiefenbrunnen in den verschiedenen Versorgungsgebieten gemischt werden!

Wenn sie dies einmal tun würden wäre auch für sie ersichtlich das wir, im Versorgungsgebiet Ost, nach wie vor ein weiches, kalkarmes Trinkwasser haben! Das Oberflächenwasser negative Folgen für uns haben soll stimmt daher definitiv nicht, eher das Gegentei ist der Fall! Oberflächenwasser ist deutlich weicher als Grundwasser und daher für uns Verbraucher wesentlich besser.


 

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