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Internetmagazin für Ruppichteroth und den Rhein-Sieg-Kreis

Aufdringlicher Paketbote ist jetzt Briefträger

Von Nicolas Ottersbach | |   Blaulicht

Dieser Paketbote nahm "Kundenkontakt" wörtlich: Einer 77-jährigen Ruppichterotherin soll er an der Haustür mehrmals Handküsse gegeben und sie umarmt haben, obwohl sie sich wehrte. Als der 47-Jährige noch zudringlicher wurde, zeigte ihn die Seniorin an. Wegen sexueller Nötigung verurteilte das Schöffengericht den Mann jetzt zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe und einer Geldbuße von 500 Euro, zahlbar an die Opferorganisation "Weißer Ring".

Der Bote stritt vor Gericht alles ab. Er habe sich an diesem Tag vor einem Jahr nur für ein Trinkgeld bedanken wollen. Es treffe nicht zu, dass er die Dame in den Hausflur gedrängt, sie im Nacken gepackt, ihren Kopf zu sich gezogen und sie in sexueller Absicht auf den Mund geküsst habe. In Sachen Trinkgeld widersprach ihm die Seniorin: Niemals hätte sie ihm etwas gegeben.

Er sei von Anfang an aufdringlich gewesen, sie habe sich dies mit "kulturellen Unterschieden" zu erklären versucht. Auf die Frage, wo er herkomme, antwortete er ihr einmal "aus Brasilien". Spätestens vor Gericht stellte sich heraus, dass das nicht stimme: Ein rumänisch sprechender Dolmetscher musste beigezogen werden. Der gebürtige Bukarester lebt seit Oktober 2013 mit Frau und erwachsener Tochter in Deutschland und spricht nur gebrochen Deutsch. Er ist nicht vorbestraft.

Die Staatsanwältin und der Vorsitzende Richter Hauke Rudat fanden, dass die Zeugin absolut glaubwürdig den Vorfall vom 8. April geschildert habe. Das wurde von einer weiteren Zeugin untermauert: Die 35-Jährige aus Ruppichteroth war Ende November 2013 Opfer des Paketboten geworden. Er habe spät abends geschellt, sie in den Flur gedrängt, ihren Arm und ihre Wange geküsst und ihr an die Hüfte gefasst.

An ihre polizeiliche Vernehmung habe die 35-Jährige keine gute Erinnerung. Ein Beamter habe im Hinblick auf die Paketzusteller zu bedenken gegeben, dass er es vielleicht nicht so gemeint habe. Die Anzeige war im Sande verlaufen, das Verfahren wurde eingestellt. Der Paketdienst, bei dem sie sich telefonisch beschwerte, habe nichts mehr von sich hören lassen.

Nach dem Vorfall bei der 77-Jährigen, die auf Anraten von Tochter und Schwiegersohn (einem Polizisten), Anzeige erstattete und den Paketdienst informierte, zog der Arbeitgeber indes Konsequenzen und warf den zudringlichen Zusteller raus. Der soll nach Aussage seiner Opfer wohl noch andere Frauen aus der Nachbarschaft an der Haustür bedrängt haben.

Wenig später fand der 47-Jährige bei einem anderen Unternehmen wieder einen Job als Briefträger.

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