Die Nachricht über die finanzielle Schieflage des Internationalen Bundes (IB) sorgt derzeit für erhebliche Verunsicherung bei Eltern und Lehrern in der Region. Die IB West gGmbH ist in einem Insolvenzverfahren, was die Fortführung der Offenen Ganztagsschulen (OGS) sowie zahlreicher sozialer Angebote in Ruppichteroth und der Nachbargemeinde Windeck infrage stellt. Während in Windeck bereits erste Einschränkungen im Betrieb spürbar sind, sei das Angebot in Ruppichteroth vorerst gesichert. Foto: Kinder spielen an der Grundschule in Schönenberg [Nicolas Ottersbach]
In der Gemeinde Ruppichteroth ist der IB ein zentraler Akteur der sozialen Infrastruktur. Neben der OGS-Betreuung an der Gemeinschaftsgrundschule Ruppichteroth verantwortet der Träger auch die Jugendarbeit in drei Jugendzentren in den Ruppichteroth, Schönenberg und Winterscheid sowie die Unterstützung sozial schwächerer Mitbürger. Schulamtsleiter Klaus Müller erklärte hierzu, dass im Schulausschusses am 18. Februar über das Thema debattiert worden sei. Allerdings in einer nichtöffentlichen Sitzung, aus der vorerst nichts nach außen getragen werden soll.
Gemeinde Ruppichteroth äußert sich
Um auf die Sorgen der Eltern einzugehen, wandte sich Bürgermeister Matthias Jedich nun in einem Schreiben an die Schulen. Die Betreuung sei zum Ende des Schuljahres durch den IB gesichert, man arbeite an einer Lösung. “Unabhängig vom laufenden Insolvenzverfahren haben wir bereits frühzeitig die Weichen für einen Trägerwechsel gestellt und mit der Vorbereitung auf eine neue Lösung begonnen. Die Zusammenarbeit mit dem IB wird über das laufende Schuljahr hinaus nicht fortgeführt. Unabhängig vom Ausgang oder der Durchführung des Insolvenzverfahren. Dies ist bereits seit Wochen gegenüber dem IB kommuniziert”, heißt es darin.
Für das kommende Schuljahr befinde man sich bereits seit Wochen in einem strukturierten Auswahlverfahren. “Es gibt mehrere qualifizierte und interessierte Träger für alle drei OGS-Standorte in unserer Gemeinde, sodass wir gut vorbereitet sind und rechtzeitig eine verlässliche Anschlusslösung sicherstellen werden”, so Jedich. Dabei sei auch wichtig, dem Betreuungspersonal eine Perspektive zu bieten. “Mit den potentiellen neuen Trägern ist besprochen, dass eine Übernahme des Personals angestrebt wird.”
Situation in Windeck ist angespannter
Deutlich angespannter stellt sich die Situation in der Nachbargemeinde Windeck dar. Dort kam es im Ausschuss für Gesellschaft und Generationen bereits zu emotionalen Szenen, als Vertreter des IB über die wirtschaftlichen Probleme berichteten. An der Bodenbergschule sowie weiteren Standorten ist die Verlässlichkeit der Betreuung bereits beeinträchtigt. So musste am Standort Obernau aufgrund von personellen Engpässen bereits auf eine Notbetreuung umgestellt werden. Die Windecker Fraktionen von CDU, FDP und SPD üben scharfe Kritik an der Informationspolitik des Trägers. SPD-Fraktionschef Daniel Stenger betonte, der IB habe massiv Vertrauen verspielt, und forderte, die Betreuung künftig wieder in kommunale Eigenregie zu übernehmen, um Stabilität für Kinder und Eltern zu gewährleisten.
Hintergrund der Krise
Hintergrund der Krise ist ein Schutzschirmverfahren, das die IB West gGmbH bereits im vergangenen Jahr eingeleitet hatte, um sich unter gerichtlicher Aufsicht zu sanieren. Die Geschäftsführung versicherte zwar, dass man die vertraglichen Verpflichtungen bis zum Ende des Schuljahres im Juli erfüllen wolle, doch eine Fortführung der Zusammenarbeit über diesen Zeitpunkt hinaus gilt als unwahrscheinlich. Der IB bemüht sich nach eigenen Angaben bereits darum, die Einrichtungen an neue Träger zu übergeben, um einen nahtlosen Übergang zu ermöglichen.
Das sagt der IB zum Verfahren
Trotz der massiven Kritik und der Warnungen der Gewerkschaft Verdi vor einem Stellenabbau von bis zu 500 Arbeitsplätzen in der Region, betont die Geschäftsführung des IB West den sanierenden Charakter des Verfahrens. Laut Geschäftsführerin Mirjam Michalski bietet das sogenannte Schutzschirmverfahren nicht nur Kontinuität, sondern die Chance, sich als verlässlicher Partner in der sozialen Arbeit neu aufzustellen. Man habe die Kosten- und Finanzierungsstrukturen bereits im Vorfeld auf den Prüfstand gestellt und wolle alle Leistungen sowie Fachangebote während des Aufbruchs umfassend fortführen.
Unterstützt wird die Geschäftsführung dabei von den Restrukturierungsexperten Christopher Seagon und Stefan Hofherr, während Rechtsanwalt Dr. Jens Schmidt als vorläufiger Sachwalter bestellt wurde. Die Verantwortlichen betonen, dass das Schutzschirmverfahren ein bewährtes Mittel zur schnellen Sanierung sei, bei dem die Geschäftsführung uneingeschränkt handlungsfähig bleibe. Der IB e. V. als Gesellschafter unterstützt diesen Weg ausdrücklich. Wichtig für die Einordnung ist zudem, dass andere Organisationseinheiten des bundesweit tätigen Internationalen Bundes, der insgesamt rund 14.000 Mitarbeitende beschäftigt, von dem Verfahren der IB West gGmbH nicht betroffen sind.






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