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Internetmagazin für Ruppichteroth und den Rhein-Sieg-Kreis

Ex-Feuerwehrleute fühlen sich übergangen

Von Nicolas Ottersbach | |   Blaulicht

Erstmals melden sich die ausgetretenen Feuerwehrleute gemeinsam zu Wort. Am Samstag verteilten sie vor den Ruppichterother Geschäften und in vielen Haushalten Flugblätter, auf denen sie ihre Sicht der Dinge schildern. Ihre Stellungnahme stimmt größtenteils mit der des ehemaligen Sicherheitsbeauftragten Christoph Müller überein, der sich schon vorher zum Streit zwischen Löschzug und Wehrführer Claus Müller geäußert hatte. So beanstanden sie die fachliche und soziale Kompetenz des Wehrleiters, aber vor allem fehlende Kommunikation.

"Wir wünschen uns, dass wir nicht wie jetzt nur durch die Presse über Vorgänge informiert werden", erzählt der ausgetretene Gemeindebrandinspektor Karl-Friedrich Seuthe. Man fühle sich dadurch schlichtweg übergangen, das sei der Punkt, den die Ausgetretenen seit zwei Jahren kritisierten. Am liebsten sei der Truppe ein direktes Gespräch. Sie seien sich einig, dass die Medienschlacht beendet werden müsse. Mit den Flugblättern haben die Ex-Wehrmänner auf ihre Situation aufmerksam machen wollen. Weitere Aktionen seien nicht geplant.

Wie verhärtet die Fronten und heftig die Kommunikationsprobleme sind, zeigt die Stellungnahme der Wehrleute: Sie bezweifelten, dass seitens des Bürgermeisters Mario Loskill noch Gesprächsbedarf bestehe. "Ein weiteres Gespräch seitens der Verantwortlichen der Verwaltung und Feuerwehr ist offensichtlich nicht gewünscht", schreiben sie. Loskill entgegnet: "Natürlich möchten die Wehrführung und ich mit den ausgetretenen Kameraden reden und die Probleme angehen." Dafür suche er mit Hochdruck nach einem professionellen Mediator, der die emotionale Situation objektiv beurteilen könne.

Mittlerweile wurde bei Facebook die Gruppe "Bürgerinitiative 'Holt die Feuerwehr zurück nach Ruppichteroth'" ins Leben gerufen. Dort heißt es in der Beschreibung, dass es "hoffentlich [..] bald eine Klärung" gebe und "wir alle [..] wieder beruhigt schlafen" könnten. Weiter schreibt die Gründerin der Gruppe, Ruppichterotherin Frauke Garstka: "Also... egal, wie es wäre... wenn so viele Leute mich nicht mehr wollen, würde ich meinen Hut nehmen und gehen!".

Der ehemalige Jugendfeuerwehrwart, Siegmar Bröhl, postete in der Facebook-Gruppe einen Wikipedia-Auszug zu sogenannten "Hilfsfristen". "Die gelten in NRW nur für den Rettungsdienst und nicht für die Feuerwehr", stellt die Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises klar. Wie schnell eine freiwillige Feuerwehr vor Ort sein kann, sei von vielen Faktoren abhängig und oft schwankend. Deshalb lege jede Kommune in einem umfangreichen Brandschutzbedarfsplan die einzuhaltenden Fristen selbst fest. In Ruppichteroth gab es noch nie einen Brandschutzbedarfsplan, seit etwa einem Jahr arbeiten Verwaltung und Wehrleiter Müller daran.

Mit der Aussage von Gemeindeverwaltung, Rhein-Sieg-Kreis und Bezirksregierung, dass der Brandschutz durch eine neue Alarm- und Ausrückeordnung gesichert sei, fühlen die Ausgetretenen ihre bisherige Arbeit infrage gestellt: "Und wenn alles so weitergehen kann, müssen sich ihre Amtsvorgänger fragen lassen, warum sie denn überhaupt eine Feuerwehr in dieser gesamten Größe und Ausstattung installiert haben."

"Selbstverständlich brauchen wir einen schlagkräftigen Ruppichterother Löschzug, zu dem dann auch wieder die ausgetretenen Wehrmänner gehören", macht Loskill deutlich. Der jetzige Notfallplan könne nur eine Übergangslösung sein, weil er die umliegenden Wehren stark belaste. Nur durch deren zusätzlichen Einsatz sei der Brandschutz gewährleistet.

Brandschutz und die Sicherheit der Bevölkerung waren auch Thema der nichtöffentlichen Ratssitzung vergangene Woche. Dort wurde der derzeitige Notfallplan vorgestellt, den Wehrführung, Winterscheider Löschzug und Bürgermeister erarbeitet hatten. Grundsätzlich rückt nun bein jedem Einsatz der Winterscheider Löschzug aus. Bei großen Bränden oder schweren Unfällen eilen zeitgleich die Nachbarwehren aus Eitorf, Neunkirchen-Seelscheid, Hennef, Much und dem Oberbergischen Nümbrecht und Waldbröl hinzu.

Wie ein Kuchen wurde die Gemeinde dafür in neun statt wie üblich in zwei Ausrückebezirke eingeteilt. "Immer die nächste Löschgruppe kommt dann zur Hilfe", so Wehrleiter Müller. Brennt es beispielsweise im Gewerbegebiet Nord, wird Alarm für die Kameraden aus Nümbrecht-Oberelben und Harscheid ausgelöst. Sind bei einem Unfall nahe der Kreisgrenze Personen im Wrack eingeklemmt, kommt die Löschgruppe aus Waldbröl-Geilenkausen.

Kommentare

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D. Happ  10.02.2013 19:01

Ihrem Kommentar ist nichts hinzuzufügen Frau Lenz!


 
Anna Maria Lenz  10.02.2013 15:45

Wollen die ausgetretenen Feuerwehrleute, wenn es so kommen sollte und sie ihren Kopf durchgesetzt haben, eigentlich wieder in FW Ruppichteroth eintreten? Hat sich eigentlich schon mal jemand überlegt, wie sich dann die jetzigen Wehrleute in Ruppichteroth verhalten sollen? Denn offensichtlich waren sie ja anderer Meinung, sind in der FW verblieben und haben uneingeschränkt, ohne wenn und aber, ein ganz großes Lob verdient. Der Logik nach müßten sie dann austreten und ihrerseits mit einer Schlammschlacht anfangen. Oder wie geht das?


 
Anna Maria Lenz  10.02.2013 14:24

Bravo Herr Jung, ganz ihrer Meinung. Was da mittlerweile für eine unwürdige Schlammschlacht entstanden ist, dass ist an Peinlichkeit und Primitivität nicht mehr zu überbieten, sollte man meinen. Aber Anscheinend genügt es immer noch nicht und es wird immer weiter gegraben. Was ist das...


 
Michael Jung  08.02.2013 11:00

Jetzt über die Hilfsfristen einen neuen "Erpressungsversuch" zu starten finde ich lächerlich! Die waren den ausgetretenen Kameraden auch vorher bekannt und es wurden alle Risiken die damit zusammenhängen in Kauf genommen. Nun sollte endlich Schluß sein mit dem Nachtreten und nicht immer wieder Öl ins Feuer gegossen werden. Wie sagte der oben als Mediator vorgeschlagene Alt Wehrführer Willach immer... REISENDE SOLL MAN NICHT AUFHALTEN! Lasst es jetzt einfach gut sein...


 
Udo Herrmann  07.02.2013 15:44

Ich muss leider meinem Vorredner energisch wiedersprechen. Die von ihm vorgeschlagenen Mediatoren sind in der Gänze absolut ungeeignet. Diese Mediatoren haben die jetzige Wehrführung ins Amt gehoben! Wie können diese denn dann neutral sein? Subjektiv von mir betrachtet benötigen die Gemeindeverwaltung und die Feuerwehr keinen Mediator mehr. Wenn man geschieden ist benötigt man ja auch keinen Eheberater mehr!

 

Liebe Gemeindeverwaltung macht nun endlich Schluss mit dieser Medienschlacht. Hier geht es doch nur um das Wohl der Bürger und nicht um eine Dienststellung! Wie soll den in der Zukunft der Brandschutz und die technische Rettung sicher gestellt werden? Gibt es denn ausreichendes, auch adäquat, ausgebildetes Personal, in den Reihen der nicht ausgetretenen Wehrmännern?


 
Wolfgang Steimel  07.02.2013 14:13

[Auf Wunsch des Verfassers entfernt]


 
Udo Herrmann  07.02.2013 13:53

Hallo zusammen,

 

Hilfsfristen können nicht so einfach selber festgelegt werden. Wenn das alles so einfach wäre würden manche Kommunen aus finanziellen Gründen gar keine, wie im § 1 FSHG festgelegt, schlagkräftige Feuerwehr unterhalten.

 

Es gibt eine Klare Schutzzielfestlegung die in dem Arbeitsblatt:

"Hinweise und Empfehlungen für die Anfertigung von Brandschutzbedarfsplänen für die Gemeinden des Landes Nordrhein-Westfalen" durch den Landesfeuerwehrverband NRW geregelt sind. Diese Empfehlungen der AGBF (Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren) haben Rechtskraft da sie eine gültige Regel der Technik darstellen.

 

Die zeitkritische Aufgabe bei einem Brand ist die Menschenrettung. Nach der Bundesstatistik ist die häufigste Todesursache bei Wohnungsbränden die Rauchgasintoxikation (CO-Vergiftung). Nach wissenschaftlichen Untersuchungen der Orbit-Studie liegt die Reanimationsgrenze für Rauchgasvergiftungen bei ca. 17 Minuten nach Brandausbruch! Die Erträglichkeitsgrenze für eine zu rettende Person im Brandrauch liegt bei ca. 13 Minuten nach Brandausbruch. Nach 13 Minuten kommt die zu rettenden Personen, in einer CO-Atmosphäre, in die Situation frei nach dem Motto "Kein Bild kein Ton mehr" wird auch als Erlebnisschwelle bezeichnet. Gerettete Personen halten fast immer bleibende Schäden zurück wenn sie gerettet werden. Nun haben die Einsatzkräfte noch 4 Minuten Zeit die zu Rettende Person aus seiner lebensbedrohlichen Zwangslage zu befreien. Nach dieser Zeit ist die Reanimation mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr möglich.

 

Die Hilfsfrist setzt sich zusammen aus folgenden Zeitabschnitten:

1,5 Minuten für die Gesprächs- und Dispositionszeit (Der Leitstelle) sowie 8 Minuten für die Ausrücke- und Anfahrzeit = 9,5 Minuten. Wie lange es dauert den Brand zu detektieren und den Notruf zu tätigen findet erst einmal keine Berücksichtigung. Gehen wir von 5 Minuten aus, so ist die Erlebnisschwelle sehr schnell überschritten. Das passt aber nicht mit den Eingreifzeiten benachbarter Feuerwehren zusammen. Hier sollten die Hilfsfristen, zum wohle des Bürgers, nochmals überdacht werden.


 
R. Jamin  05.02.2013 20:06

Hallo, was die Hilfsfristen angeht stimmt es, dass die Gemeinde dafür verantwortlich ist. Der Brandschutzbedarfsplan muss auf Gemeindeebene erstellt werden, Richtig! Dennoch, sind die Hilfsfristen der Bezirksregierung maßgebend. Sprich 8 Min bzw. in abgelegen Ortschaften auch 12 Min. Und das nicht nur für den Rettungsdienst! Dagegen kann sich auch kein Bürgermeister oder Wehrführer stellen.

 

Vielmehr kann man die Hilfsfristen durch solch einen Brandschutzbedarfsplan verbessern. Als wir 36 Kameraden noch dabei waren, lagen wir meistens deutlich unter den Mindestzeiten. Nicht zu vergessen das die Hilfsfristen ab dem Eingang des Notrufes zählen! Demnach ist der Link von Herrn Bröhl schon recht zu verstehen. Man sollte hier nicht versuchen noch etwas zu verschönern. Schaut der Realität lieber mal ins Auge.

 

Was den Mediator angeht ist es dafür wohl eigentlich schon zu spät, aber wir lassen uns mal überraschen was da kommt!


 

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