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Freund mit "Schießauge"

Von Nicolas Ottersbach | |   Magazin

"Aus dem Patienten wurde ein Freund." Augenarzt Dr. Hans-Jürgen Schnell begleitete den Biathleten Josef Giesen zu den Winter-Paralympics nach Vancouver. An den Augen hatte er den Contergan geschädigten Spitzensportler operiert, ein komplexer Eingriff. Im 12,5 Kilometer-Rennen holte Josef Giesen die Bronzemedaille, mit nur einem Fehlschuss im gesamten Wettkampf. "Mein Doc hat mir da ein Schießauge hingezimmert", dankte er Schnell.

"Zumindest schoss er nicht schlechter als zuvor", sagt der Arzt mit sportmedizinischer Ausbildung bescheiden. Im Mai vergangenen Jahres kam Giesen in die Praxis nach Waldbröl, nachdem er sich an den Berufsverband der Augenärzte gewendet hatte. Der Grund war eine Panne in einem früheren WettkampfI: Bei minus 16 Grad Celsius froren seine Kontaktlinsen ein und fielen herunter. Nach ausführlichen Untersuchungen ging es im Juni in den Operationssaal, um die Fehlsichtigkeit des Biathleten zu korrigieren. Nur acht Wochen später startete der Wintersportler wieder mit seinem Training. Auch weiterhin betreute ihn Hans-Jürgen Schnell ärztlich. So entstand auch die Idee, mit zu den Paralympischen Winterspielen, den Olympischen Winterspielen der Menschen mit körperlicher Behinderung, zu fahren. "Giesen weckte mein Interesse am Behindertensport", sagt der sportbegeisterte Mediziner, der mit 61 Jahren noch regelmäßig Volleyball spielt. Was ihn beeindruckte: Die Leistungen, die die Sportler mit ihren unterschiedlichsten Behinderungen erbringen. Mit amputierten Beinen den Super-G Slalom oder eben wie Giesen ohne Arme Biathlon fahren.

"Die 12,5 Kilometer waren ein echter Krimi", erzählt Schnell, von der Tribüne aus beobachtete er den Wettkampf und fieberte mit. Und gerade am Schießstand, zwei Durchgänge ohne Fehler schoss, klemmte plötzlich das Magazin. Jemand musste ihm beim Nachladen helfen, wertvolle Sekunden gingen verloren. Trotzdem bewahrte er die Ruhe und zielte nur einmal daneben - als einziger Sportler im Feld. Für den 48 Jahre alten Giesen waren das die vierten und letzten Paralympischen Winterspiele. Schließlich musste er sich gegen 19-Jährige behaupten. "Vancouver war auf jedenfall eine Reise wert, ein unvergessliches Erlebnis", resümiert Schnell. Trotzdem findet er auch kritische Worte. Zu wenig Aufmerksamkeit komme dem Behindertensport, trotz beachtlicher Leistungen. Für die größere Popularität will er sich Zukunft einsetzen.

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