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Gute Lage, eingetrübte Erwartungen

Von Nicolas Ottersbach | |   Wirtschaft/Politik

Die Wirtschaft in der Region Bonn/Rhein-Sieg ist mit ihrer aktuellen Situation zufrieden, sieht aber etwas pessimistischer in die Zukunft. Während die aktuelle Lage von mehr als jedem dritten Unternehmen noch mit gut bezeichnet wird, geht fast jedes vierte Unternehmen von schlechteren Geschäften in der Zukunft aus. Das ist ein Ergebnis der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg. Grafik: IHK

Der Konjunkturklimaindex gibt von 123,4 Punkten im Frühsommer auf 108,9 Punkte im Herbst nach, liegt aber immer noch im positiven Bereich. "Die Staatsschuldenkrise in Europa schlägt jetzt auch auf die Wirtschaft im IHK-Bezirk Bonn/Rhein-Sieg durch", sagte IHK-Präsident Wolfgang Grießl. Zwar können man noch von keiner Rezession sprechen, aber die Unsicherheit mache sich bei den Unternehmen bemerkbar. Erfreulich sei dagegen die belebenden Impulse in der Binnenkonjunktur, die dazu führten, dass der Einzelhandel sogar gegen den Trend beim Klimaindex noch einmal zulegen konnte.

Der eigentlich starke Dienstleistungssektor fällt im Klimaindex von 134,6 auf 118,0 Punkte. 36,2 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre derzeitige Lage als gut, 11,6 Prozent als schlecht. Bei den zukünftigen Erwartungen sind 26,5 Prozent optimistisch, 14,7 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte. "Erfreulich stabil sind die Investitionsabsichten und die Einstellungsbereitschaft der Dienstleister, die auch weiterhin eine Stütze für den guten Arbeitsmarkt sind", so IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille.

Der Klimaindex in der Informations- und Kommunikationsbranche bleibt mit 122,5 Punkten fast stabil (Frühsommer 2012: 125,3 Punkte). Jedes vierte Unternehmen berichtet von aktuell guten Geschäften, nur jedes achte Unternehmen ist unzufrieden. Jedes drittes Unternehmen erwartet für die Zukunft sogar bessere Geschäfte. Damit erreicht diese Branche die Spitzenwerte, auch bei den Personalplänen: 26,7 Prozent wollen zusätzliches Personal einstellen.

In der Industrie gibt der Index deutlich von 111,1 Punkten zum Frühsommer 2012 auf jetzt 94,3 Punkte nach. Besonders deutlich fallen hier die entgegengesetzten Einschätzungen der gegenwärtigen und zukünftigen Lage aus. Während der Saldo aus positiven und negativen Stimmen bei der derzeitigen Lage bei + 32 liegt, kehrt er sich bei den Erwartungen auf - 32,7 deutlich um. "Sorgen vor einer nachlassenden Export- und Binnenkonjunktur drücken auf die Stimmung bei der hiesigen Industrie", sagte Hille: "Die Zeichen für eine konjunkturelle Abkühlung machen sich auch bei Investitionen bemerkbar." Ferner beklagen 59,2 Prozent der Industrieunternehmen hohe Energie- und Rohstoffpreise als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung.

Der Einzelhandel in der Region legt dagegen noch einmal leicht von 108,6 auf 114,4 Punkte zu. Eine deutliche Aufhellung bei der Lagebeurteilung lässt den Index steigen. 39,3 Prozent der Einzelhändler berichten von guten Geschäften, nur 3,6 Prozent von schlechten. Verhaltener fallen dagegen die Zukunftserwartungen aus: 14,3 Prozent gehen von besseren, 17,9 Prozent von schlechteren Geschäften aus. Weiterhin verhalten sind auch die Beschäftigungsabsichten im Einzelhandel.

Deutlich nach unten ging es beim Großhandel von 137,7 auf 101,7 Punkte. Sinkende Umsätze, eine rückläufige Binnennachfrage und hohe Energie- und Rohstoffkosten machen der Branche zu schaffen. Während die Lage von 36 Prozent der Großhändler noch gut eingeschätzt wird, glauben 28 Prozent an schlechtere Geschäfte in der Zukunft.

Im Gastgewerbe gibt der Index von 120,5 auf 102,8 Punkte nach. Fast jedes fünfte Unternehmen bezeichnet seine Lage als gut, unzufrieden sind lediglich 6,5 Prozent. Bei den Erwartungen sind die positiven Stimmen mit 6,5 Prozent gegenüber den negativen mit 12,9 Prozent in der Minderheit. 23,3 Prozent der Betriebe beklagen rückläufige Auslastungen. Bei Investitionen und Beschäftigung sind leichte Rückgänge zu verzeichnen.

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