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Internetmagazin für Ruppichteroth und den Rhein-Sieg-Kreis

"Jitt uns noch e Pingsei"

Von Nicolas Ottersbach | |   Magazin

Die Pfingsteiersinger-Tour durch das Schönenberger Neubaugebiet neigt sich dem Ende. Und so langsam wird der Bollerwagen voll. Dort stapeln sich mehr als 200 Eier, die die Männer noch am selben Abend verdrücken wollen. "Es gab Jahre, da haben wir beim Bürgerverein sechs Wochen lang nur Eier gegessen", erzählt Guido Braumann. Aber diesmal sind am Pfingstsamstag genug Männer da. Foto: Pfingsteiersingen in Schönenberg [Nicolas Ottersbach]

Bildergalerie: Pfingsteiersingen in Schönenberg und Hänscheid

Das war nicht immer so. "Es wurden immer weniger", sagt Bürgervereinsvorsitzender Heiko Jost. So wenige, dass das Eiersingen in diesem Jahr, nach Jahrzehntelanger Tradition, vor dem Aus stand. Doch es fanden sich noch einmal viele Teilnehmer. Dennoch: "Die jungen Leute fehlen immer noch."

Die Tradition hat sich ein wenig verändert, urpsrünglich gibt es sie schon seit dem 16. Jahrhundert. Waren es früher die Junggesellen, die um die Häuser zogen, um den Pfingstgruß zu überbringen und vor allem für die Frauen zu singen und dafür als Stärkung von den Eltern Eier und andere Gaben erhielten, sind mittlerweile auch verheiratete Männer dabei. Das Brauchtum gibt es in vielen Dörfern Ruppichteroths: Auch in Hänscheid und Hodgeroth touren Pfingsteiersänger. Ein Jahr lang durften in Schönenberg sogar Frauen mitgehen - was dann aber wieder abgeschafft wurde, weil die Männer unter sich bleiben wollten.

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Manch einer kritisiert, dass das Eiersingen zu einem Trinkgelage verkommen wäre. Denn an jedem Haus werden Bier und Schnaps von den Besungenen gereicht. Doch sturzbetrunken ist an diesem Pfingstsamstag niemand. Die Männer lehnen den Alkohol sogar ab. Damit trotzdem zumindest einmal vor jedem Haus angestoßen werden kann, ist immer ein anderer dran. Und häufig gibt es alkoholfreies Bier und Fassbrause.

Gabi Buglowski hat sogar ihre Terrasse für die Sänger vorbereitet. Dort stehen Stühle und eine Bierzeltgarnitur, auf den Tischen liegen Schnittchen. "Zur Stärkung, die sind ja schon ein paar Stunden unterwegs", sagt sie. Um genau zu sein sind es fünf Stunden, in denen sie an rund 70 Haustüren klingeln. Wenn jemand nicht auf macht, wird trotzdem gesungen. Die Männer verabschieden sich dann mit einem "hier wohnt der Antichrist, der die Eier selber frisst" - ernst gemeint ist das natürlich nicht.

Bei Buglowski fühlt sich die Gruppe allerdings wohl. Da werden dann auch gerne Liederwünsche erfüllt. Der Karnevalshit "Leev Marie" soll es diesmal sein. Die Akkordeonspieler Georg Rombach, Michael Stein und Uli Stommel geben den Ton an, die Männer stimmen ein. Das Liederheft braucht diesmal keiner. "Leev Marie" steht aber auch nicht drin, sondern eher Lieder wie "Hoch auf dem gelben Wagen" und "Wir sind die Schönenberger".

"Wo gesungen wird, haben die Leute Spaß. Ich liebe diese Tradition", erzählt Gabi Buglowski. Als sie vor knapp 25 Jahren nach Schönenberg zog, kannte sie den Brauch nicht. Und war direkt das erste Mal davon angetan. "Die Gemeinschaft die dadurch entsteht ist einfach toll." Denn die Nachbarn lernen sich dadurch auch besser kennen. Gerade im großen Neubaugebiet, das immer weiter gewachsen ist.

Und so ist die Hoffnung da, dass auch in den kommenden Jahren wieder genug Männer für das Pfingsteiersingen in Schönenberg zusammenkommen.

Kommentare(1)

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  • Jörg Stommel 07.06.2017 14:02

    Ach, wie schön. Das Video zu sehen, hat uns richtig Freude bereitet. Wir sitzen gerade am Strand der Algarve bei gut 31 Grad und halten Kontakt via broeltal.de zur Heimat. Wenn ich die leckeren Eier der Heimat sehe und dann das Frühstück im Hotel sehe, bekomme ich glatt Heimweh. Vielleicht gehe ich heute Abend mal von Hotelzimmer zu Hotelzimmer und singe mal; "Jitt mir noch e Pingsei". Allerdings die englische Version. Bin gerade noch mit der Übersetzung beschäftigt. Liebe Grüße an die Heimat. Ute & Jörg Stommel
     

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