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Internetmagazin für Ruppichteroth und den Rhein-Sieg-Kreis

Am Ende unter den Hammer

Von Christina Ottersbach | |   Wirtschaft/Politik

Rauschende Feste hat sie erlebt, prominente Besucher gaben sich die Klinke in die Hand und alle die, die etwas besonderes wollten, luden zur Hochzeitsfeier, Taufe oder Geburtstag in die Winterscheider Mühle ein. Egal, ob man in die Bayerischen Alpen, den Harz, nach Hamburg oder Bielefeld fuhr, wenn man Fremden erklären wollte, wo man wohnte - Ruppichteroth, meist unaussprechlich und vor allem unbekannt - so brauchte man eigentlich nur ein Zauberwort zu nennen: ?Winterscheider Mühle?. Und fast jeder wusste Bescheid.

Die Winterscheider Mühle zählte einmal zu den schönsten, von der Natur umgebenen Hotels. Mitten im Wald im idyllischen Derenbachtal gelegen in der malerischen Landschaft des Bergischen Landes und des Siegtals. Vier goldene Sterne zierten ein Schild neben dem Entree. Und unabdinglich war ?die Mühle?, wie sie von den Einheimischen liebevoll genannt wurde, verbunden mit dem Namen der Gastronomenfamilie Scheppler. Lang, lang ist´s her, dass ein Highlight jedes Kindes der Umgebung ein Ausflug zum Dammwild- und Wildschweinpark der Mühle war. Und viele davon besserten sich im Herbst ihr Taschengeld auf, sammelten Eicheln und Kastanien für die Tiere, tauschten sie gegen Bares ein.

Über 82 Zimmer, Einzel- und Doppelzimmer, Suiten und Appartements hatte der Hotelkomplex einmal. Später wurde die TNT-Akademie in einem separaten Gebäude angesiedelt. Allerdings war auch für diesen Konzern irgendwann das Ambiente nicht mehr tragbar und man zog Richtung Bonn. Im August 2008 gingen dann vollends die Lichter aus. Die Winterscheider Mühle ist verwaist, eine Zwangsauktion droht am 3. November 2009. Geschätzt wird das Anwesen auf einen Wert von über drei Millionen Euro, allerdings sind die Sanierungsmaßnahmen nicht enthalten.

Insgesamt 76 290 Quadratmeter umfasst das Areal der Mühle, der Hoteltrakt verfügt über knapp 4000 Quadratmeter, das Seminargebäude über 960 Quadratmeter Nutzfläche. Das für die Mühle ausgestellte Gutachten lässt allerdings erahnen, dass noch einmal kräftig in die Tasche gegriffen werden muss, bevor der Standard wieder die 4-Sterne-Kategorie erreichen kann. Das 2001 erbaute Schwimmbad sei in einem neuwertigen Zustand. Das gleiche gilt für das zweigeschossige Seminargebäude, in dem die TNT Akademie beherbergt war. Der Zustand des Hotelbereichs ist allerdings nur zufriedenstellend, umfassende Schönheitsreparaturen sind hier erforderlich. Das Restaurant hat die Note ?ausreichend? erhalten.

Gesucht wird jetzt eine ?Prinzessin? oder ein ?Prinz?, die die Winterscheider Mühle aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken, das nötige Kleingeld mitbringen, damit die Mühle in naher Zukunft wieder in glänzendem Licht erstrahlen kann. Gelingt dies nicht, wird einem weiteren Markenzeichen  der Gemeinde Ruppichteroth der Garaus gemacht. Die Planungen, aus dem kostbarsten Gut, was Ruppichteroth hat - nämlich die bezaubernde Landschaft - irgendwann durch Tourismus und Naherholung Kapital zu schlagen, werden unweigerlich erneut einen Schritt zurück gedrängt.

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