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Protest nicht nur wegen Agrardiesel

Bauerndemo legt den Verkehr in der Region lahm

Von Nicolas Ottersbach | | Wirtschaft/Politik

Es herrscht ein bisschen Weihnachtsmarktatmosphäre: Der Christbaum vor dem Rathaus in Schönenberger leuchtet noch, davor steht eine Feuertonne und spendet den Menschen Wärme. Doch die Themen, die diskutiert werden, haben wenig Besinnliches. Die Landwirte aus Ruppichteroth haben sich wie viele ihrer Kollegen versammelt, um gegen die Subventionierungskürzungen der Ampel-Regierung zu protestieren. Auch viele Handwerker haben sich angeschlossen. Fotos: Protestaktion vor dem Ruppichterother Rathaus [Nicolas Ottersbach]

Die Bauernverbände begründen die Demos mit dem steigenden wirtschaftlichen Druck, der durch Kürzungen weiter verschärft wird. "Es geht nicht um mehr Freizeit. Es geht auch nicht um mehr Geld. Es geht darum, unsere Wettbewerbsfähigkeit beizubehalten. Stärkung des ländlichen Raumes. Unterstützung unserer Bauernfamilien", heißt es auf einem Flugblatt. Der Wegfall von Steuerererstattungen bedeute im internationalen Vergleich eine Steuer-Spitzenbelastung für deutsche Landwirte. Das Ergebnis sei, dass der Beruf unattraktiv werde und eine schleichendes Höfesterben stattfinde.

Wer zuhört, merkt aber schnell, dass es nicht nur um Agrardiesel geht. Vielmehr ist es eine gesamtgesellschaftliche Problematik, wie ein Handwerker zusammenfasst: "Subventionierungen können ja nicht die Lösung sein", sagt er. Landwirte müssten auch ohne Unterstützung von dem Leben können, was sie erwirtschaften. Doch das bringe steigende Preise mit sich, die viele Menschen nicht tragen könnten. Ein Dilemma.

"Der Liter Milch für 40 Cent funktioniert nicht"

Ein junger man, der gelernter Landwirt ist und in der Baubranche arbeitet, bestätigt diesen Eindruck. "Steigende Baukosten sorgen dafür, dass sich immer weniger Menschen ein Eigenheim leisten können." Er selbst habe schon an einigen Demonstrationen teilgenommen, gebracht hätten sie nichts. Eine Sache, die ihm viel bedeutet: "Mir ist wichtig, dass klargestellt wird, dass das alles nichts mit Rechtsextremen oder Ähnlichem zu tun hat." Er hat die Hoffnung, dass die Total-Blockade den Effekt hat, dass auch die Verbraucher über die Situation nachdenken. Beispiel Milchpreis: Händlerketten diktierten das, was Molkereien pro Liter erhielten, und damit auch das, was beim Bauern ankomme. "Der Liter Milch für 40 Cent funktioniert nicht", erzählt ein anderer Landwirt.

Zeit zum Nachdenken haben an diesem Morgen viele Menschen. Denn in der gesamten Region sind die Straßen dicht. Die B478 in Schönenberg kann man nur auf Schleichwegen umfahren. Die Buslinien 531 und SB53 verlassen die Haltestellen nicht mehr, weil es kein Durchkommen gibt. Genervt und verzweifelt versuchen Fahrgäste, eine Alternative zu finden - vergeblich, denn sie müssten erstmal wieder nach Hause kommen, was nicht möglich ist. Auch die Schulbusse stehen vielerorts. Die Polizei ist in Schönenberg nicht vor Ort: An zu vielen Stellen ist der Verkehr blockiert, um überall Streifenwagen zu entsenden.

Wer es aus Ruppichteroth heraus geschafft hat, hat kurz darauf wieder Blech vor sich: Die Brücke in Allner ist blockiert, der Verkehr staut sich in alle Richtungen. Auffahrten und Ausfahrten der A61 sind mit Misthaufen versperrt. Viele Landwirte beeinträchtigen zudem mit ihren Traktoren den Verkehr an den Autobahnen: Lange Staus bilden sich nicht auf, aber an den Auffahrten zur A3 in Richtung Köln und Frankfurt. Auch weiter im Bergischen gibt es kein Durchkommen zur A4.

Es ist davon auszugehen, dass die Verkehrsbeeinträchtigungen im Laufe des Tages nicht nachlassen, sich aber verlagern. In der Region sind einige Traktor-Konvois geplant.

Konvoi startet in Hennef

Bei der Polizei wurde zudem ein Traktor-Konvoi agezeigt, der in die Innenstädte von Troisdorf und Siegburg anfahren soll. "Nach dem bisherigen Stand soll am Montag ab 9 Uhr ein Traktor-Konvoi bestehend aus rund 100 Fahrzeugen von Hennef (Ausbauende B8) in Richtung Troisdorf starten. Die Route ist wie folgt: Hennef, Europaallee, Blankenberger Straße, B478, An der Brölbahn, Frankfurter Straße (B8) bis Siegburg, Kaiser-Wilhelm-Platz, Bonner Straße, Konrad-Adenauer-Allee, Bahnweg, Lindenstraße, Isaac-Bürger-Straße, Willy-Brandt-Ring (L332) bis Troisdorf, Theodor-Heuss-Allee (B8), Kirchstraße, Frankfurter Straße bis zur Römerstraße. Hier kommt es zur Zusammenführung mit einem zweiten Schlepper-Konvoi, der aus Richtung Lohmar anfährt.

Konvoi startet in Lohmar

Am Donrather Dreieck (B484) in Lohmar starten gegen 9 Uhr bis zu 80 Traktoren über die Hauptstraße zunächst in Richtung Siegburg. Der weitere Verlauf des Konvois führt über die Kirchstraße, Brückenstraße, Eisenweg, Altenrather Straße in Richtung Troisdorf. An der Römerstraße stoßen die Fahrzeuge zu dem anderen Konvoi. Die gemeinsame Fahrt führt weiter über die Frankfurter Straße in die Siebengebirgsallee, Uferstraße und den Willy-Brandt-Ring (L332) in Richtung Siegburg. Die weitere Route ist: Siegburg, Isaac-Bürger-Straße, Lindenstraße, Bahnweg, Konrad-Adenauer-Allee, Bonner Straße, Kaiser-Wilhelm-Platz, Frankfurter Straße (B8) in Richtung Hennef. In Höhe der Wahnbachtalstraße soll sich der Demonstrationsaufzug gegen 17 Uhr auflösen.

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