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Internetmagazin für Ruppichteroth und den Rhein-Sieg-Kreis

Sommerferien im Bröltal

Von Christina Ottersbach | |   Magazin

Vielleicht lernt man die heimischen Gefilde erst dann richtig schätzen, wenn man sich länger dort aufhält, wo andere ihren Urlaub verbringen. So ist es Michael Herchenbach (29), einem Schönenberger durch und durch, auch ergangen. Gefreut hat er sich auf seine Sommerferien im Bröltal. Denn seit dem 11. Januar 2009 lebt er vorübergehend in Italien, um Studien für sein Dissertationsprojekt "Flora Italien in der römischen Kaiserzeit" durchzuführen.

?Hierbei untersuche ich, welche Aussagen zur Pflanzenwelt der Antike möglich sind. Als Quellen dienen mir die antike Literatur, die bildlichen Darstellungen von Pflanzen (Fresken wie der Gartensaal der Livia aus Prima Porta) und archäobotanische Forschungen?, erklärte Herchenbach. ?Ich versuche vor Ort Kontakte zu italienischen Archäobotanikern zu knüpfen, erforsche Ausgrabungen der Umgebung, kooperiere mit verschiedenen Universitäten und Archäologen.?

Der Aufenthalt beinhaltet mehrere Stationen. Die ersten Monate verbrachte er in Pompeji, danach ging die Reise nach Florenz und Rom. Anfang 2010 steht Modena auf dem Programm. ?Wenn alles klappt wie geplant, werde ich Anfang April wieder endgültig in die Heimat kommen und meine Studien in Italien abschließen.?

broeltal.de sprach mit Michael Herchenbach, der als ?Weltenbummler? seine Urlaubseindrücke vom Bröltal skizzierte.


Das Bröltal ist wunderschön. Manchmal muss man länger im Ausland verweilen, um die Schönheit der Heimat wirklich schätzen zu lernen. Nach 8 Monaten in Italien freute ich mich umso mehr, wieder im Rheinland zu sein. Italien ist ein fantastisches Land. Ich genieße jede Minute, die ich hier im Süden verbringen kann. Doch wollte ich im Urlaub zurück in die Heimat. August ist der klassische italienische Ferienmonat. Jeder Italiener, jede Italienerin versucht die heißeste Zeit des Jahres an der Küste zu verbringen. Selbst Rom ist im August wie ausgestorben. Außer den Touristen sind nur wenige Einheimische in der Stadt. Diejenigen, die tatsächlich arbeiten müssen, scheinen griesgrämig jeden einzelnen Ausländer persönlich dafür verantwortlich machen zu wollen, dass sie ihre Ferien mit Arbeit verbringen müssen. So hielt mich Anfang August nur noch wenig in der italienischen Hauptstadt. Tabakhändler, Supermärkte, Eisdielen, Restaurants hatten geschlossen. Alle sind im Urlaub - also nichts wie weg? Nicht jedoch an den italienischen Strand, sondern in die Wälder und Wiesen des Bröltals.

Meine erste ?deutsche? Erfahrung: Um die Check-In-Schalter-Schilder am Flughafen in Rom besser erkennen zu können, ging ich entlang einer scheinbar endlosen Warteschlange nach vorne. ?Sie müssen sich auch hinten anstellen!? - Herzlich willkommen zu Hause, dachte ich. Welch perfekter Empfang. War es wirklich dieses Zerrbild deutscher Mentalität, das ich so vermisst hatte? Mitnichten - und die Vorfreude auf die Heimat konnte mir auch ein engstirniger, griesgrämiger, besserwisserischer Tourist nicht nehmen. Das Leben im italienischen Chaos lehrt Geduld und Ausgeglichenheit.

Als beim Anflug auf Köln-Bonn der Dom in Sichtweite kam, stellten sich tatsächlich Heimatgefühle ein. Die Fahrt durch das wunderschöne Bröltal war wunderbar. Allerdings war ich etwas überrascht, wie deutlich sich Anfang August bereits die Spuren des Spätsommers zeigten. In Italien haben wir seit Mitte Mai Hochsommer. Ich bemerkte erstmals bewusst den deutlichen Unterschied zwischen den Jahreszeiten in Deutschland. In Italien trennen Winter und Sommer lediglich zwei Wochen ?Übergangsfrühling? (wenn es noch nicht brüllend heiß ist). Jener Frühling -meine Lieblingsjahreszeit- , die Zeit, in der die Natur explodiert, alles grün wird und blüht, fehlt in meinen Erinnerungen an 2009 komplett. Nun war in Deutschland schon deutlich der Spätsommer eingekehrt, die ersten Blätter färbten sich und fielen von den Bäumen.

Der italienische Winter war dieses Jahr besonders feucht und kalt. Dies bekam ich schmerzlich zu spüren. Wer glaubt, dass es auch im Winter in Italien immer warm ist, den muss ich enttäuschen. Ich habe noch nie derart in einem Winter gefroren wie dieses Jahr in Kampanien. Fehlende Isolierung und schlechte Heizmöglichkeiten führten dazu, dass es nachts im Haus mitunter so kalt war wie im Freien. Diverse Nächte wachte ich morgens mit roter Nase auf und wurde bereits von meiner Gastfamilie gefragt, ob ich krank sei. In Deutschland sei es im Winter doch viel kälter als in Italien. JA! Ich habe den deutschen Winter vermisst. Wenn draußen -10°C herrschen, wir es uns drinnen bei über 20 °C gemütlich machen.

Insbesondere in der ersten Woche meines Heimaturlaubs setzte ich das Augenmerk auf die Ruhe und Beschaulichkeit des Bröltals. Ich unternahm einige Wanderungen, streifte durch die lichtdurchfluteten Wälder entlang der Bröl, die in der Spätsommersonne langsam und kristallklar vor sich hin plätscherte. Ich entdeckte mit Begeisterung wie kräftig orangerot die Vogelbeeren in diesem Jahr an den Wegrändern leuchteten und dass die Pflaumen bereits dunkelblau und prall in den Bäumen alter Obstwiesen auf die Ernte warteten. Die perfekte Zeit für ?Quetschekooche?! Das deutsche Essen hatte ich wirklich vermisst. Nach acht Monaten Pasta und Pizza wurde es wieder Zeit für einige rheinische Spezialitäten. Als Kartoffelfan hatte ich in Italien eine ?schwere? Zeit durchlebt. Was dem Deutschen die Kartoffeln sind, ist dem Italiener die Pasta und das Brot. Natürlich kann man auch in Italien Kartoffeln kaufen. Doch nichts geht über Bratkartoffeln aus Mamas Küche? Dazu noch eine leckere Bratwurst. Das macht glücklich! Und dann erst die Reibekuchen, der Kartoffelsalat, die Strauchbohnen mit Zwiebeln und Speck! Wie hatte ich es vermisst - insbesondere, als es einmal Schweinefüße und Kuhmagen mit Lupinen gab!

Treffen mit Familie und Freunden, Ausflüge ins Siebengebirge, nach Bonn, nach Waldbröl rundeten meine drei Wochen Heimaturlaub ab. Ich verlebte eine wunderschöne, entspannte Zeit im Bröltal. Dank meiner Eltern wurde mein Sommerurlaub zu einem der schönsten und erholsamsten, die ich je hatte.

Seit drei Tagen bin ich nun wieder in Rom; es ist, als wenn ich nie weg gewesen wäre. Es herrschen immer noch täglich 35°C. Nachts kühlt es nur unwesentlich ab. Die Römer sind immer noch im Urlaub. Man kann sich keine zwei Zentimeter bewegen, ohne zu schwitzen. Ich denke mit Wehmut an die deutlich angenehmeren Temperaturen und den Sommerregen im Bröltal zurück. Wenn ich wegen einer Tagung in Deutschland wieder nach Ruppichteroth zurückkehren werde, wird es bereits tiefer Herbst sein. Ich freue mich heute bereits darauf. Die Zeit wird schnell vergehen. Ich werde den verlängerten Sommer in Italien genießen. Italien ist wunderbar, aber auch das Bröltal, unsere heimische Natur und Kultur ist fantastisch!



Auf dem neuesten Stand der Informationen in der Heimat bleibt er auch. ?Dank broeltal.de bin ich immer bestens informiert?, so Michael Herchenbach.

Bild: Michael Herchenbach vor dem Koloseum in Rom

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