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Baustelle mit Glasfaser-Leerrohre
Gemeinde ist überrascht

UGG stoppt offenbar Glasfaserausbau in Ruppichteroth

Von Nicolas Ottersbach | | Wirtschaft/Politik

Es sollte der große Sprung ins digitale Zeitalter sein. Doch statt flächendeckendem Highspeed-Internet herrscht in Ruppichteroth aktuell vor allem eins: Funkstille. Der groß angekündigte Glasfaserausbau durch das Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) steht offenbar vor dem Aus. Während Bürgermeister Matthias Jedich von einem kompletten Kommunikationsabbruch spricht, verweist das Unternehmen auf interne Planungen – ein Muster, das sich in der Region zu wiederholen scheint. Foto: Glasfaser-Leerrohre in Jünkersfeld [Daniel Prior]

Ghosting im Rathaus

Die Enttäuschung im Ruppichterother Rathaus ist greifbar. „Wir erreichen derzeit niemanden bei UGG“, erklärt Bürgermeister Matthias Jedich sichtlich frustriert. „Wir kriegen keinerlei Information“. Besonders pikant: Die Gemeinde erfuhr von den geänderten Plänen offenbar nicht durch ein offizielles Schreiben, sondern über die Website des Anbieters.

Dabei klangen die Versprechen vor rund zweieinhalb Jahren noch ganz anders. Im Oktober 2023 trat die UGG, ein Joint Venture von Telefónica und dem Versicherungskonzern Allianz, mit großen Ambitionen an. Ein eigenständiges Glasfasernetz für Ruppichteroth wurde versprochen – eigenwirtschaftlich und ohne Kosten für die Gemeinde. Von Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 1000 Mbit/s war die Rede. „Durch die beiden finanzstarken Investoren im Rücken ist es uns möglich, auch Kommunen auszubauen, welche andere Anbieter eventuell als nicht rentabel genug ansehen“, hieß es damals seitens des Unternehmens.

Ein deutschlandweites Phänomen

Doch die Realität im Frühjahr 2026 sieht ernüchternd aus. Ruppichteroth ist kein Einzelfall. In der gesamten Region und darüber hinaus mehren sich die Zeichen für einen strategischen Rückzug der UGG. In Kommunen wie Würselen, Engelskirchen oder Lindlar herrscht seit Monaten Stillstand oder Frust über eine „schleppende und verbesserungswürdige“ Kommunikation.

Berichte über die Entlassung ganzer Expansionsteams bei der UGG im Sommer 2025 unterstrichen bereits den Kurswechsel des Unternehmens, das sich offenbar auf bestehende Gebiete konzentrieren will, statt neue zu erschließen. In Ruppichteroth war zuletzt noch die Rede davon, dass Kapazitäten im Tiefbaumarkt fehlten. Nun scheint das Projekt komplett zu wackeln.

UGG sagt nicht viel

Auf Nachfrage gibt sich die UGG schmallippig. Online gibt es lediglich folgende Mitteilung: “Leider werden wir den Glasfaserausbau in Ihrer Gemeinde nicht wie angekündigt durchführen können. Ihr gewählter Internetanbieter wird Sie zu gegebener Zeit über das weitere Vorgehen in Bezug auf Ihren Vertrag informieren.”

In einer E-Mail an broeltal.de betont Unternehmenssprecher Jens Lauser: „Ich verstehe sowohl ihr berechtigtes Interesse als auch die Neugier des Ortes. Dennoch muss ich mich wiederholen. Wir besprechen unsere Planungen zuerst mit den Verantwortlichen der Gemeinde und im Anschluss mit der Presse“. Er bittet um „Geduld und Verständnis“. Diese Geduld ist im Rathaus jedoch am Ende. Jedich weiß noch nichts von einem Gesprächstermin, den UGG angeblich mit dem Verwaltungschef vereinbaren will.

Wie geht es weiter?

Für die Bürger von Ruppichteroth, von denen viele bereits Verträge bei O2 – dem Kooperationspartner der UGG – unterzeichnet hatten, bedeutet dies weiterhin digitales Mittelmaß statt Glasfaser-Zukunft. Wie es mit den Verträgen weitergeht, beantwortet UGG auf Anfrage nicht. Sie dürften jedoch nichtig werden, wenn das Unternehmen seinen Teil nicht erfüllt. Die Gemeinde sucht nun händeringend nach Alternativen. Ein bald anstehender Termin mit dem Rhein-Sieg-Kreis soll laut Jedich klären, ob es andere Möglichkeiten gibt, etwa über gesenkte Förderquoten.

Kommentare

  • D'r Döörper Prätscher
    05.05.2026 At 08:08

    "Wahrscheinlich heeß UGG janz eenfach och nur: Unmöglich! Geht Garnicht!"

    D'r Döörper Prätscher, Winterfest 20.01.2024

  • Tim
    04.05.2026 At 12:22

    Ehrlich mal, es ging doch nur um Zuschüsse kassieren. Der Typ von UGG war schon sehr penetrant und war 10 mal bei uns. Verträge und Zuschüsse. Und dann wird alles nach 2 Jahren gestoppt. Ist jetzt zufällig die Frist zur Rückzahlung abgelaufen?

    • Micha
      04.05.2026 At 13:30

      Da bin ich ganz an Ihrer Seite. Das traurige, wie nicht nur ich finde und auch schon erwähnt wurde, hätte man ein wenig gelesen wie die "Firma UGG" in anderen Kommunen so "gearbeitet" und versprochen hat … dann hätten wir jetzt wirklich keinen Anlass zum Kopfschütteln! Aber man rennt gern los wenn es was für Umsonst gibt! Schade drum aber durchaus absehbar!

  • Wolfgang Scholz
    04.05.2026 At 05:37

    Mittlerweile sollten alle, die einen Vertrag bei der UGG/o2 abgeschlossen haben, ein Schreiben von o2 bekommen haben, in dem der Ausbau seitens UGG gestoppt ist.

    Die UGG ist weiterhin ruhig und entspannt. So wie es bereits in den Vorkommentaren und vor Vertragsabschluß sehr offensichtlich war.

    Wobei ich die Idee mit der Firma im Industriegebiet sehr charmant fand ;-)

  • Stephan Görgens
    30.04.2026 At 10:20

    Von Anfang an war ich skeptisch, das das funktionieren würde. Kostenlos alle Anschlüsse zu versprechen bei teilweise nur ein paar Interessenten pro Ortschaft war von der Kalkulation her schon abenteuerlich. Es hat sich wohl einfach nicht gelohnt. Das hätte man aber auch wissen können, bevor man eine große Kampagne startet.

    • Robert M.
      30.04.2026 At 11:06

      Also das Konzept finde ich gut. Eine physische Infrastruktur, offen für alle Provider. Statt mehrfach pro Anbieter die Straße aufzubuddeln.

      Das Interesse an einem Glasfaserzugang war vermutlich geringer als erhofft. Im Dorf hörte man oft Skepsis bezüglich der Bauarbeiten im eigenen Vorgarten. Und die meisten erhielten ja gerade erst VDSL vom Kölner Provider - und sind glücklich damit.

      Aber letztendlich benötigen wir langfristig gesehen auch hier einen Glasfaserausbau.

  • Richard Rohs
    27.04.2026 At 15:04

    Jetzt hat es Ruppichteroth auch getroffen. Vom ersten Tag an als es hieß das UGG in Ruppichterorh flächendeckend Glasfaser ausbaut, war die Beurteilung über UGG bundesweit grottenschlecht.

    Dabei hat Ruppichteroth noch Glück. Es wurde ja noch nicht angefangen. In anderen Kommunen sieht das oft anders aus. Angefangen, nicht weitergemacht, kein Internet mehr und so weiter.

  • Andreas Rudolf
    27.04.2026 At 13:17

    Bereits in 2023 war die UGG für Ausbauprobleme bekannt; das gilt auch für das Ghosting. Andere Kommunen hatten sich damals schon über die UGG massiv beschwert. Die geschlossenen Vorverträge sind natürlich null und nichtig. Schade, dass hier mit der UGG Blender am Werk sind bzw. waren. Hoffen wir also auf einen anderen Anbieter, der hält, was er verspricht...

     

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