Es sollte der große Sprung ins digitale Zeitalter sein. Doch statt flächendeckendem Highspeed-Internet herrscht in Ruppichteroth aktuell vor allem eins: Funkstille. Der groß angekündigte Glasfaserausbau durch das Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) steht offenbar vor dem Aus. Während Bürgermeister Matthias Jedich von einem kompletten Kommunikationsabbruch spricht, verweist das Unternehmen auf interne Planungen – ein Muster, das sich in der Region zu wiederholen scheint. Foto: Glasfaser-Leerrohre in Jünkersfeld [Daniel Prior]
Ghosting im Rathaus
Die Enttäuschung im Ruppichterother Rathaus ist greifbar. „Wir erreichen derzeit niemanden bei UGG“, erklärt Bürgermeister Matthias Jedich sichtlich frustriert. „Wir kriegen keinerlei Information“. Besonders pikant: Die Gemeinde erfuhr von den geänderten Plänen offenbar nicht durch ein offizielles Schreiben, sondern über die Website des Anbieters.
Dabei klangen die Versprechen vor rund zweieinhalb Jahren noch ganz anders. Im Oktober 2023 trat die UGG, ein Joint Venture von Telefónica und dem Versicherungskonzern Allianz, mit großen Ambitionen an. Ein eigenständiges Glasfasernetz für Ruppichteroth wurde versprochen – eigenwirtschaftlich und ohne Kosten für die Gemeinde. Von Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 1000 Mbit/s war die Rede. „Durch die beiden finanzstarken Investoren im Rücken ist es uns möglich, auch Kommunen auszubauen, welche andere Anbieter eventuell als nicht rentabel genug ansehen“, hieß es damals seitens des Unternehmens.
Ein deutschlandweites Phänomen
Doch die Realität im Frühjahr 2026 sieht ernüchternd aus. Ruppichteroth ist kein Einzelfall. In der gesamten Region und darüber hinaus mehren sich die Zeichen für einen strategischen Rückzug der UGG. In Kommunen wie Würselen, Engelskirchen oder Lindlar herrscht seit Monaten Stillstand oder Frust über eine „schleppende und verbesserungswürdige“ Kommunikation.
Berichte über die Entlassung ganzer Expansionsteams bei der UGG im Sommer 2025 unterstrichen bereits den Kurswechsel des Unternehmens, das sich offenbar auf bestehende Gebiete konzentrieren will, statt neue zu erschließen. In Ruppichteroth war zuletzt noch die Rede davon, dass Kapazitäten im Tiefbaumarkt fehlten. Nun scheint das Projekt komplett zu wackeln.
UGG sagt nicht viel
Auf Nachfrage gibt sich die UGG schmallippig. Online gibt es lediglich folgende Mitteilung: “Leider werden wir den Glasfaserausbau in Ihrer Gemeinde nicht wie angekündigt durchführen können. Ihr gewählter Internetanbieter wird Sie zu gegebener Zeit über das weitere Vorgehen in Bezug auf Ihren Vertrag informieren.”
In einer E-Mail an broeltal.de betont Unternehmenssprecher Jens Lauser: „Ich verstehe sowohl ihr berechtigtes Interesse als auch die Neugier des Ortes. Dennoch muss ich mich wiederholen. Wir besprechen unsere Planungen zuerst mit den Verantwortlichen der Gemeinde und im Anschluss mit der Presse“. Er bittet um „Geduld und Verständnis“. Diese Geduld ist im Rathaus jedoch am Ende. Jedich weiß noch nichts von einem Gesprächstermin, den UGG angeblich mit dem Verwaltungschef vereinbaren will.
Wie geht es weiter?
Für die Bürger von Ruppichteroth, von denen viele bereits Verträge bei O2 – dem Kooperationspartner der UGG – unterzeichnet hatten, bedeutet dies weiterhin digitales Mittelmaß statt Glasfaser-Zukunft. Wie es mit den Verträgen weitergeht, beantwortet UGG auf Anfrage nicht. Sie dürften jedoch nichtig werden, wenn das Unternehmen seinen Teil nicht erfüllt. Die Gemeinde sucht nun händeringend nach Alternativen. Ein bald anstehender Termin mit dem Rhein-Sieg-Kreis soll laut Jedich klären, ob es andere Möglichkeiten gibt, etwa über gesenkte Förderquoten.






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