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Versicherungsbüro im Wohnwagen

Von Nicolas Ottersbach | |   Magazin

Ob man es Ironie des Schicksals nennen soll? Oder einfach nur Pech? Oder es rein statistisch sieht und eigentlich klar war, dass so etwas jedem passieren kann? Egal wie man es nun interpretiert, LVM-Versicherer Jörg Stommel nimmt es gelassen. Wegen eines kaputten Abflussrohres musste er sein Büro in Ruppichteroth räumen. Und leitet seine Versicherung jetzt aus einem Wohnwagen. Foto: Jörg Stommel (rechts) mit seinen Mitarbeitern Benedikt Stommel und Birgit Lindner [Nicolas Ottersbach]

So richtig findet sich Stommel darin noch nicht zu recht. An der dünnen Außentür klebt ein kleines Zettelchen, "Dachluke" steht dadrauf. "Die vergesse ich immer zu zu machen", sagt er. "Ich will ja nicht noch einen Wasserschaden haben." Seinen Humor hat er jedenfalls nicht verloren. Aber was soll er auch anderes tun?

Stommel reguliert schon seit mehr als 20 Jahren Schäden in der Region, hat dementsprechend viele Situationen erlebt, die seinen Kunden ans Mark gingen. Mit einem Witz auf dem Lippen lassen sich solche Situationen entschärfen - und natürlich der guten Nachricht, dass die Versicherung für den Schaden aufkommt. Allerdings hat es ihn diesmal selbst getroffen.

Er geht über ein kleines vorgestelltes Treppchen in den Wohnwagen und lässt sich in der Sitzecke nieder. Blaue Polster, schrecklich-kitschig verziert. Über ihm helle Holzvertäfelung, der Inbegriff deutscher Camper-Spießigkeit. Auf dem wackeligen Tisch stehen seine LVM-Kaffeetasse, der Laptop und liegen ein paar Dokumente. Sogar einen Drucker hat er sich eingebaut. "Es ist ziemlich bequem hier, bequemer als im Büro", sagt Stommel. Wenn es ihm zu warm wird, setzt er sich nach draußen. Einziges Manko: Alle Wertsachen werden jeden Abend rausgeräumt, um Einbrüchen vorzubeugen.

Seine Kunden finden sich erstaunlich schnell mit dem Provisorium ab. Die Geschichte hinter dem Wohnwagen erzählt Stommel ihnen gerne. Zeigt dann auch sein Büro, dass momentan eine Baustelle ist. Der Putz ist von der Wand gestemmt, Trocknungsgeräte heizen den Raum unerträglich auf. So, dass man dort nicht mehr arbeiten kann. Aber wenigstens seine beiden Mitarbeiter können das Zimmer nebenan weiter nutzen.

Schuld an seinem Umzug ist ein kaputtes Abflussrohr, das vermutlich monatelange Wasser ins Gemäuer tropfen ließ. "Aufgefallen ist das erst, als die braune Suppe an der abgehängten Decke hervortrat", sagt Stommel. "Ein klassischer Wohngebäudeversicherungsfall."

So klassisch, dass die Versicherer damit immer mehr zu kämpfen haben. Was Stommel wiederfahren ist, ist neben den Kraftfahrzeugen der teuerste Sektor für die Versicherungen. "Wir haben zwei Faktoren, die die Gebäudeversicherungen so problematisch machen", erklärt er. Zum einen gehen die Schäden schnell in die Zehntausende. Untersuchen, Reparieren, Trocknen, Renovieren. Manchmal sogar Hotelübernachtungen, weil die Bewohner nicht zu Hause bleiben können. Alles teure Posten. "Dann kommt hinzu, dass die Häuser immer älter werden und die Bausubstanz damit immer schlechter wird." Übersetzt: Die Schäden also häufiger passieren, weil Rohre marode sind.

Dadurch erklärt sich, warum die Beiträge für Wohngebäudeversicherungen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind. "Das werden sie auch noch weiter tun, bei jeder Versicherung", prognostiziert Stommel.

Bei all den Unannehmlichkeiten: Die Aktion mit dem Wohnwagen hat sogar gute Seite. Der komplette Ort spricht über ihn. Stommel bereut aber aus einem anderen Grund nicht, das Büro nicht woanders hin verlagert zu haben. "Dann wäre ich für meine Kunden nicht so zentral erreichbar gewesen." Immerhin wird das Provisorium noch anderthalb Monate halten müssen.

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