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Internetmagazin für Ruppichteroth und den Rhein-Sieg-Kreis

Wie ein Ruppichterother fast Opfer von falschen Polizisten wurde

Von Nicolas Ottersbach | |   Blaulicht

Telefonbetrüger lassen sich immer neue Maschen einfallen, um Senioren um ihr Erspartes zu bringen. Auch ein Ruppichterother wäre beinahe auf den Trick hereingefallen und erzählt, wie er den Betrügern auf die Schliche kam. Foto: Symbolbild [Nicolas Ottersbach]

Als Herbert Michels (Name geändert) an einem Mittwochmorgen aus der Haustür gehen will, klingelt sein Telefon. "Hier ist die Kriminalpolizei, seien Sie nicht erschrocken", erklärt ihm ein Mann mit ruhiger Stimme. Michels ist trotzdem überrascht und verunsichert, fragt sich, was los ist. Der Polizist schildert ihm einen Überfall, der sich erst vor wenigen Stunden in seiner Nachbarschaft ereignet hat. Ein Frau sei ausgeraubt und brutal zusammengeschlagen worden. "Wir haben zwei Männer festgenommen, sie sind in Gewahrsam", sagt der Polizist. Und fügt hinzu: "Es sind Rumänen."

Geschichte klingt plausibel

Für Michels passt die Geschichte zusammen. Schon häufiger hatte er von Kriminellen aus dem osteuropäischen Raum gehört, die auch in Einbrüche verwickelt gewesen sein sollen. Auch in  Ruppichteroth arbeiten und leben viele Rumänen. Er hatte mal ein Ladenlokal vermietet, kannte auch Menschen aus dem Pflegedienst. Potenzielle Verdächtige gab es also viele. Das scheint der vermeintliche Polizist zu merken, er macht weiter. "Wir haben bei den Männern Papiere gefunden, die zu Ihnen führen." Dort würde es heißen, dass Michels "dickes Geld" hätte. Michels entgegnet: "Das ist nicht wahr, ich bin nur Rentner." Vielleicht ist er deshalb umso vorsichtiger. Und er erzählt, dass er Kunde bei der VR-Bank ist.

"Herr Langel" ist die Schwachstelle

Völlig glaubwürdig tischt der falsche Polizist nun weitere Lügen auf. "Vielleicht können Sie uns behilflich sein", sagt er. Denn bei der VR-Bank gebe es eine Schwachstelle unter den Angestellten. "Kennen Sie den Herrn Langel? Er sorgt dafür, dass das Geld ins Ausland geht." Michels soll das Ersparte sicherheitshalber abheben. "Wir müssen das Vorgehen aber erstmal mit dem Kollegen von der Staatsanwaltschaft abklären." Dann wechseln sich zwei Männer am Telefon ab, reden über den Fall. Sagen Herbert Michels eindringlich, mit niemandem über das Telefonat zu sprechen, auch nicht mit den Bankmitarbeitern. Das einzige was Michels spanisch vorkommt: Die Vorwahl des Anrufers kommt aus Ruppichteroth: "Aber dann dachte ich: Die müssen ja von hier sein."

Falsche Polizisten machen Druck

Der Mann am Hörer macht Druck. "Holen Sie doch Ihr Geld ab, Ihr Haus steht schon seit einer halben Stunde unter Beobachtung!" Kurzentschlossen fährt Michels zur Bank, dort hat er ein kleines Depot. Er hebt 7000 Euro ab. Die Bankangestellte fragt zwar nach, aber er weicht aus: Er braucht das Geld für eine Renovierung. Eigentlich sollte er die ganze Zeit das Handy angeschaltet lassen, damit die falschen Polizisten mithören können. Aber das macht Michels nicht, zum Ärger der Anrufer. "Erst wurden sie frech, dann richtig barsch. Ich habe gesagt, dass ich nun die Polizei rufe", erzählt Michels. Die Antwort der Betrüger: "Das brauchen Sie nicht, der Streifenwagen ist gleich da."

Michels ist nicht das einzige Opfer

Jetzt entscheidet Michels, seinen Sohn anzurufen. Er kennt die Masche und rät ihm das Geld sofort wieder auf die Bank zu bringen. Da klärt man ihn auf: Einen "Herrn Langel" gibt es gar nicht. Von da an hört Michels nichts mehr von den Betrügern, es kommt auch nicht wie angekündigt ein Streifenwagen. Er ruft bei der echten Polizei an und schildert seinen Fall. Die Beamten machen mit ihm ein Kennwort aus, damit er bei weiteren Anrufen weiß, welche die echten und welche die falschen Polizisten sind.

Als er in den Tagen danach Nachbarn von der Masche erzählt, stellt sich heraus, dass nicht nur er Opfer werden sollte. "Bei einer Frau haben sie um halb 1 nachts angerufen", sagt Michels. Dass es immer wieder ganze Anruferwelle gibt, bestätigt auch die Polizei im Rhein-Sieg-Kreis. So wurden in den vergangenen Monaten immer wieder Senioren um ihr Erspartes gebracht, oftmals geht es um mehrere Tausend Euro. Die Rufnummern, von denen Sie anrufen, sind nur fingiert.

"Seien Sie misstrauisch!"

"Die Betrüger erzählten die immer wiederkehrende Geschichte von der festgenommenen rumänischen Verbrecherbande, bei der die Adresse der betroffenen Person gefunden worden wäre. Zum Schutz wolle man nun Geld und Wertgegenstände der Person entgegennehmen und sicher verwahren", sagt ein Polizeisprecher. "Die echte Polizei wird Sie niemals auffordern, Geld oder Wertgegenstände zur sicheren Verwahrung auszuhändigen! Seien Sie misstrauisch bei allen Anrufen - gesundes Misstrauen ist nicht unhöflich!"

Kommentare

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Ira D.  29.10.2020 21:35

Die Betrüger finden die Opfer im Telefonbuch. Kurze Telefonnummern und/oder nicht mehr übliche Vornamen deuten auf Rentner. Telefonbucheintrag kündigen ist die einzig sinnvolle Lösung. Das schützt ebenfalls vor unlauterer Werbung. Desweiteren regelmäßig das Presseportal Blaulichtreport der Polizei lesen. So bleibt man auf dem Laufenden bzgl. Kriminalität.


 

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