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Telefonzelle Ruppichteroth England London Restauration K2

Schönenberger Telefonzelle ist jetzt ein Bücherschrank

Von Nicolas Ottersbach | |   Magazin

Die englische Telefonzelle in Schönenberg ist schon lange außer Betrieb. Jetzt kann man dort kostenlos Bücher ausleihen. [Fotos: Nicolas Ottersbach]

Zuletzt sah es um die historische Telefonzelle nicht gut aus. Immer wieder wurden Scheiben eingeschlagen, das Innenleben war schon lange herausgeräumt worden. Denn durch Handys sind die stationären Fernsprecher schlichtweg nicht mehr nötig  - deutschlandweit baut die Telekom sie nach und nach ab.

"Zu schade", befanden die Organisatoren der Historischen Rheinischen Christophorus-Fahrt. Deshalb nahmen sie sich der Telefonzelle an. Unterstützung bekamen sie von Schmiedemeister Ernst Kirchner und der Tischlerei Bestgen. Während der Metallbauer das stählerne Gerippe aufwendig sandstrahlte, restaurierte und mit der roten Originalfarbe lackierte, kümmerte sich Tischler Kai Reinl um den hölzernen Bücherschrank.

Dass die Telefonzelle überhaupt in Schönenberg steht, ist dem damaligen Vorsitzenden des Partnerschaftskommitees Ruppichteroth/Longdendale, Robert Lehmann, zu verdanken. Longdendale ist die Partnergemeinde Ruppichteroths, weshalb der Platz an der B478 auch Longendale Platz heißt.

Von London nach Schönenberg

"1988 schrieb Lehmann an die British Telecom, die diese Zellen veräußerte", erzählt Christina Ottersbach von der Christophorus-Fahrt. Geplant war ursprünglich das sogenannte Modell "K2" zu kaufen, die man auch zum Kiosk umfunktionieren konnte. Mit dem damaligen Vorsitzenden des Bürgervereins Schönenberg, Fritz Pütz, plante man, den neu gestalteten Longdendale Platz mit solch einer Originalzelle zu bereichern. Das Vorhaben konnte aber so nicht umgesetzt werden. Denn der Markt um die "K2" war leergefegt.

1926 wurde diese von dem englischen Designer Sir Gil Gilbert Scott entworfen und in einer Stückzahl von 1702 Zellen produziert. Ruppichteroth erhielt eine Absage für die K2, viele waren in die USA exportiert worden und die, die man noch anbieten konnte, in schlechtem Zustand. Dann kam das Angebot der British Telecom, dass eine Londoner "K6" verfügbar wäre. Am 18. August 1988 bestellte Robert Lehmann diese, wenige Wochen später erreichte sie ihre neue Heimat. Im Jahr 1936 designte Scott auch die "K6". 60.000 wurden produziert. "Schönenberg besitzt eine von 2.072 Zellen, die weltweit noch existieren", sagt Ottersbach. Zum Preis von 250 englischen Pfund wechselte sie damals den Besitzer.

Unterstützung von Gewerbetreibenden

Nach umfassenden Recherchen erhielt Ottersbach bei einem Restaurator im Süddeutschen - der sich unter anderem auf die Restauration englischer Telefonzellen spezialisiert hat - Hinweise auf die Originalfarbe. Ernst Kirchner war sofort bereit, sich dem Anliegen ehrenamtlich anzunehmen, sie zu restaurieren und den Erhalt der Zelle für unsere Gemeinde zu sichern. Die neuen Fundamente gossen Dieter Keuenhof und Stephan Heuser. Der Bauhof der Gemeinde stellte die Zelle wieder am alten Platz auf. Den Bücherschrank ist eine Maßfertigung, die Reinl aus besonders robustem Holz anfertigte. Da zwischenzeitlich für manche Radfahrer die Telefonzelle ein beliebter Ort wurde, um die Räder anzuketten, sponserte die Kreissparkasse Ruppichteroth einen Fahrradständer.

"Mein großer Dank gilt Ihnen allen, die sie geholfen haben, unsere historische Telephonzelle zu retten", sagt Büergmeister Mario Loskill. Auch einen Bücherwart hat Loskill bereits gewinnen können: Die Schönenbergerin Claudia Winkler, passionierte Leseratte, erklärte sich sofort bereit, sich zukünftig um den Bücherschrank zu kümmern, damit er stets attraktiv und gefüllt bleibt. Jeder, der Bücher abzugeben hat, kann sich gerne an sie wenden (claudia.winkler@ruppichteroth.de und 02295-4942) - oder sie einfach in den Bücherschrank stellen.

Bücher kostenlos tauschen

Denn Bücherschränke sind öffentlich und leben von der Tauschlust der Bürger. Das Regal gehört niemanden und die Bücher auch nicht. Die Werke können jederzeit, rund um die Uhr, herausgeolt und zum Lesen mit nach Hause genommen werden. Dafür müssen aber auch immer wieder Bücher von Bürgern eingestellt werden.

 

Kommentare

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M.Krämer 13.08.2018 13:35

Hoffentlich wird das Alles nicht wieder von irgendwelchen Idioten zerstört!


 
W.Böje 12.08.2018 08:50

Und was sinnvolles draus gemacht.


 
Bernd A. Rosbund 11.08.2018 11:58

Das gefällt mir sehr gut! Dank an alle, die dieses Kleinod gerettet haben...


 

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