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Crossgolf-Turnier in Oeleroth

Grüner Bademantel für den Sieger

Von Nicolas Ottersbach | | Sport

Ruppichteroth hat keinen Golfplatz, dafür aber Crossgolfer. Einmal im Jahr ziehen sie mit ihren Schlägern durch Oeleroth. Damit keine Scheibe zu Bruch geht, gibt es einen Trick. Fotos: Crossgolf-Turnier in Oeleroth [Nicolas Ottersbach]

Nicht schon wieder der Vorgarten. Eine steile, hohe Wiese bietet nicht die besten Voraussetzungen, um einen Golfball einzulochen. Doch wer ein echter Crossgolfer ist, muss in jeder Situation zum Schlag ansetzen können. Und genügend Bälle dabeihaben. „Einen Ball habe ich schon verloren, ich habe ihn nach dem Schlag nicht mehr wiedergefunden“, erzählt Alex, der erst an Loch 2 steht.

Er ist der Neuling in der Runde einer eingeschworenen Männertruppe, die nun schon fünf Jahre in Folge durch Oeleroth zieht. Während er sich die Schläger geliehen hat und mit kurzer Hose und kurzärmeligem Hemd ganz leger daherkommt, sind diejenigen, die schon länger dabei sind, deutlich besser ausgerüstet. Eigene Golftaschen, mehrere Schläger, ausgefallene Hemden und Strümpfe, einer tritt sogar im Schottenrock an. Ein bisschen ist es wie Karneval im Sommer. Eine Persiflage auf die Golfer, die auf fein geschnittenem Grün spielen. Statt Champagner gibt es Kölsch. Und Rauchen ist auch erlaubt.

Feste, allgemeingültige Regeln gibt es nicht, erklärt Arndt Helbing. Er gehört zu den Gründern des Oelerother Crossgolf-Turniers. Man erkennt ihn sofort an seinem gelben Hemd, dem grauen Pullunder und der grünen Krawatte. „Das habe ich mir für das erste Turnier im Second-Hand-Geschäft besorgt, das war eine ziemlich spontane Sache.“ Entstanden ist die Idee aus einer Bierlaune heraus. Im Prinzip funktionieren beide Sportarten ähnlich: Der kleine Ball muss mit möglichst wenigen Schlägen in ein Loch bugsiert werden. Das Loch ist ein einfacher Eimer, der im Boden verbuddelt wurde. Neun Löcher hat der Oelerother Kurs, jeder soll mit fünf Schlägen erreichbar sein. Wer seinen Ball „verliert“, bekommt zwei Strafschläge. Wer mehr als sieben Schläge braucht, fliegt in der Runde raus.

Neun Löcher im ganzen Ort

Die Löcher sind im ganzen Ort verteilt. In Vorgärten, Beeten, kleinen Wiesen am Straßenrand. Der Golfkurs ist sozusagen ganz Oeleroth. „Das bringt so einige Tücken mit sich“, sagt Helbing. Auf der Straße rollte der Ball gerne weiter, ständig sind Hindernisse im Weg – und die Männer sind nicht immer mit feinen Schlägen unterwegs. „Aber in all der Zeit haben wir noch keine Scheibe zerdeppert.“ Hauptgrund dafür ist nicht das Können: Die Bälle wiegen nur wenige Gramm und sind aus einer Art Schaumstoff. „Dadurch machen sie nichts kaputt, haben aber dieselben Flugeigenschaften“, erklärt Helbing. Crossgolf ist damit eine Art Wiederentdeckung der Wurzel des Golfsports, der in seiner Ursprungsform angeblich von den Schäfern in Schottland erfunden wurde. Diese spielten querfeldein und suchten sich frei ihre Ziele, ehe 1754 sich der erste Golfclub der Welt gründete.

Elektro-Rollstuhl als Golfcart

So lustig das Trüppchen aus der Ferne auch aussieht – als Golfcart dient ein ausrangierter Elektro-Rollstuhl samt Anhänger – mit jedem Loch steigt der sportliche Ehrgeiz. In einer Liste wird penibel festgehalten, wer wie viele Schläge gebraucht hat. Mit insgesamt 63 Schlägen kommt man durch, der Rekord wurde mit 42 im vergangenen Jahr aufgestellt. Einem Spieler wird an diesem Samstagmorgen zu viel geplappert. „Macht doch mal voran, wir haben noch sieben Löcher vor uns!“, ruft er nicht nur einmal. Als sich nichts tut, dreht er auf dem Absatz um und geht nach Hause. Helbing und Bernd Krei sammeln ihn aber wieder ein. „Kann schonmal hitzig werden“, kommentiert Helbing trocken. Krei ist zum Beispiel dafür bekannt, laut zu fluchen, wenn der Ball mal wieder knapp am Eimer vorbeirollt. An Loch 2 fällt er auf die Knie und rammt den Schläger in den Boden: „So ein Mist, das kann doch nicht wahr sein!“ So schnell die Emotionen hochkochen, so schnell kühlen sie aber auch wieder ab. Denn letztlich schätzen alle die Geselligkeit.

Da ist es auch nicht schlimm, wenn am Ende nur einer den grünen Bademantel anziehen darf. So, wie die Crossgolfer den Sport auf die Schippe nehmen, machen sie es eben auch mit den Trophäen: Bei den großen Golfturnieren gibt es ein Green Jacket. Vier Sieger sind schon auf Frottee gestickt, der fünfte ist Arndt Helbing. Ein Jahr lang darf er den grünen Mantel nun behalten – bis zum nächsten Turnier quer durch Oeleroth.

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