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Internetmagazin für Ruppichteroth und den Rhein-Sieg-Kreis

Der Bio-Bauer mit der Hanfplantage

Von Nicolas Ottersbach | |   Magazin

In Ruppichteroth wächst wieder Hanf. Und das nur wenige Meter von der ehemaligen Gaststätte in Bornscheid entfernt, in der die Polizei schon zweimal eine Plantage ausgehoben hat. Diesmal ist die Zucht aber ganz legal, denn Bio-Bauer Lukas Tölkes hat für seinen Nutzhanf, der als Droge nicht geeignet ist, eine Genehmigung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Damit ist er derzeit der einzige Landwirt im Rhein-Sieg-Kreis, in Nordrhein-Westfalen gibt es nur drei weitere Betriebe, die es ihm gleichtun.

In Bornscheid und Oberlückerath hat Tölkes auf einer Fläche so groß wie vier Fußballfelder Nutzhanf angebaut, der im September erntereif sein soll. "Das ist eine unglaublich vielseitige Pflanze", sagt der 26-Jährige. Die Körner können zu Öl verarbeitet werden, die Blätter zu Tee und die Stengel zu stabilen Stoffen. Hinzu kommt, dass Hanf überall wächst.

"In den 90er Jahren gab es deshalb einen Boom bei Nutzhanf, mittlerweile ist davon nichts mehr übrig geblieben", sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. Die erwarteten Erträge seien damals ausgeblieben. All diese Vorzüge kannten die Anwohner nicht. Dementsprechend erschrocken waren sie, als sie bemerkten, dass auf den Feldern Hanf wächst. Foto: Eines der beiden Hanf-Felder in Oberlückerath

"Irgendjemand rief sogar die Polizei und machte Fotos", erzählt Tölkes. Eines Abends standen die Beamten dann bei ihm vor der Haustür und erkundigten sich nach den Feldern. "Hanf ist ein Tabu-Thema, weil es immer mit Drogendealern in Verbindung gebracht wird", so Tölkes. Bei den Menschen herrsche eine Mischung aus Unsicherheit und Neugierde. 

Der Bestand wird ständig vom BMEL kontrolliert. Denn nur Pflanzen, die einen sehr geringen THC-Gehalt von 0,2 Prozent aufweisen und somit nicht als Droge zu gebrauchen sind, darf er anbauen. Zum Vergleich: Drogen-Hanf hat etwa 20 Prozent THC-Gehalt. Theoretisch bekämpft er mit seinen Feldern sogar den illegalen Anbau. Weil er männliche und weibliche Pflanzen hat, bestäuben sie auch die Gewächse in der Umgebung. Sobald die weiblichen Blüten bestäubt sind, bilden sie Samen aus und können nicht mehr zu Marihuana hochgezüchtet werden. 

Lukas Tölkes wurde von Hanf-Vorzügen im Mai auf einer Agrar-Messe überzeugt und wollte die Aufzucht ausprobieren. "Man muss als Landwirt auch mal experimentieren, bisher bin ich begeistert,", sagt er. Seit sechs Jahren pachtet er sein "Gut Fussberg" nahe Kammerich und verkauft vor allem Freiland-Hähnchen. Schon sein Vater Wilfried, der noch einen Hof hat, und sein Großvater Johannes, der seinem Enkel regelmäßig hilft, arbeiteten ihr Leben lang in der Landwirtschaft. Als er damals noch der jüngste selbstständige Landwirt im Rhein-Sieg-Kreis war, musste er sich viel von den beiden anhören. "Meine Opa sagt immer, dass für einen Betrieb auch die Büroarbeit wichtig ist", erzählt Lukas Tölkes. Das wollte er zunächst noch nicht wahrhaben, irgendwann merkte er es aber im Portemonnaie. "Mit einer guten Buchhaltung kann man viel Geld sparen." Foto: Freiland-Huhn auf dem Gut Fussberg

Als Bio-Bauer hat er strenge Auflagen, darf keine Pestizide spritzen und Unkraut nur mechanisch entfernen. Weil Hanf schnell wächst und binnen weniger Wochen mehrere Meter hoch wird, hat das Unkraut gar keine Möglichkeit, sich auf den Feldern auszubreiten. "Zusätzlich sind die Wurzeln fast 1,80 Meter tief, das lockert den Boden auf und reichert ihn mit Nährstoffen an", so Tölkes. Das mache Hanf zu einer idealen Vorfrucht.

Problematisch ist für ihn bisher noch die Ernte. Um die Hanfpflanze komplett einfahren zu können, braucht er neue Maschinen. Ein gewöhnlicher Mähdrescher würde kaputt gehen, weil sich die zähen Fasern der Hanfpflanze um die drehenden Teile wickeln und sie blockieren. Spezialmaschinen sind teuer, man kann sie nur bei wenigen Lohnarbeitern ausleihen. Deshalb wird Tölkes zunächst versuchen, mit eigenen Ideen Korn, Stengel und Blätter zu trennen. "Zur Not dresche ich mit der Hand", sagt er. Und wenn auch das nicht funktionieren sollte, verfüttert er die Hanfpflanzen an seine Tiere.

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