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Sanierung nochmal eine Million Euro teurer

Bröltalhalle in Ruppichteroth wird erst im Juni fertig

Von Nicolas Ottersbach | | Wirtschaft/Politik

Die Sanierung der Bröltalhalle in Ruppichteroth dauert erneut länger, als geplant war. Nach derzeitigen Schätzungen der Gemeindeverwaltung wird sie wegen verschiedener Verzögerungen erst Ende Juni fertig und auch deutlich teurer: Um nochmals eine Million Euro. Foto: Die Bröltalhallen-Sanierung sprengt erneut den Zeitplan [Nicolas Ottersbach]

Wer an der Bröltalhalle vorbeifährt, wundert sich zurecht, wie die Gemeinde bis März die Baustelle beenden will. Von einer nutzbaren Halle ist man noch weit entfernt: Die Außenfassade ist noch offen und wird gerade gedämmt, auch im Inneren sind die Handwerker zugange – Sport oder Veranstaltungen sind hier nicht möglich. Allerdings wurden mittlerweile die Fenster eingesetzt. Doch genau sie sind der Grund, warum es nun erneut Verzögerungen gibt.

Wie die Gemeinde Ruppichteroth mitteilt, verzögerten sich die Schlüsselgewerke Metallbau und Fenster um zwölf Wochen. Der ursprünglich geplante Montagebeginn für die Fenster war der 8. Juli 2022, tatsächlich wurde es der 26. September. Grund dafür sei die Insolvenz des ursprünglichen Auftragnehmers, zeitweisen Corona-Ausfällen bei dem neuen Auftragnehmer und schließlich Materiallieferschwierigkeiten bei Fenster-Elementen. „Da es sich um ein Schlüsselgewerk im Bauablauf handelt, wirkten und wirken sich diese Verzögerungen auch auf die Folge-Gewerke aus“, so die Verwaltung. Dazu gehörten Trockenbau, die Brandschutz-Verkleidungen an Fenstern, Fliesenarbeiten, technische Gebäude-Installationen sowie die Arbeiten an der Fassade.

Fassadenarbeiten scheitern am Winter

Nach dem alten Bauzeitenplan sollten die Fassadenarbeiten zwischen dem 18. August und 11. November 2022 stattfinden. Daraus wurde dann der 20. Oktober 2022 als Starttag. „Dadurch geriet dieses witterungssensible Gewerk, anders als geplant, mit sechs Wochen Verzögerung in die Wintermonate. Hier gab es in Folge von niedrigen Temperaturen mit zeitweise Frost und starken Niederschlägen noch einmal mehrwöchige Verzögerungen“, erklärt die Gemeinde, die Bauherrin ist. Weil der Winter noch nicht vorbei ist, rechnet man noch einmal mit mehreren Wochen Verspätung.

Der Fertigstellungstermin für die Fassadenarbeiten, zu denen auch das Verputzen gehört, liege demnach auf dem 14. April. Danach erst könnten die Fallrohre am Hallengebäude, der Blitzschutz und die Elektroarbeiten an der Fassade folgen, und schlussendlich das Gerüst abgebaut werden. Das wiederum sei Voraussetzung, die Außenanlagen samt Wegen, des Spritzschutzstreifens entlang der Fassade, der Geländeabfangung, der Wiederherstellung der Feuerwehrumfahrt mit Grünstreifen sowie der Grünanlagen anzugehen. „Diese Außenarbeiten und die Schlussarbeiten werden komplett voraussichtlich bis zum 30. Juni 2023 andauern“, so die Verwaltung.

Mängel am Brandschutz sorge für Baustopp

Es handelt sich nicht um die erste Panne bei einem der größten Bauprojekte, das die Verwaltung je beschäftigte. 2021 gab es einen kompletten Baustopp. Der Grund waren Mängel am Brandschutz, die noch aus der Zeit stammen, als die Halle 1975 erbaut wurde. „Das war Pfusch am Bau“, sagte Bürgermeister Mario Loskill vor einigen Monaten unverblümt. So habe man damals versäumt, das Stahlgerüst des Bauwerks mit eine speziellen feuerfesten Farbe zu streichen. Das sei erst aufgefallen, als die Innenverkleidungen abmontiert waren – trotz vorhergehender Untersuchungen eines Ingenieurbüros, das die gesamte Sanierung begleitet. Laut des Rhein-Sieg-Kreises, der als Behörde den Bau beaufsichtigt, ein gravierender Mangel. „Die Baugenehmigung zur Sanierung der Bröltalhalle beruht unter anderem auf einem Brandschutzgutachten, das die Gemeinde beauftragt hat. Die Vorgaben des Brandschutzgutachtens wurden nicht umgesetzt, sodass im Brandfall eine ausreichend lange Standsicherheit des Gebäudes zur Rettung von Personen nicht gewährleistet wäre“, erklärt Kreissprecherin Daniela Blumenthaler.

Schon 2022 stand die Finanzierung auf der Kippe, die stark durch Fördermittel des Landes NRW und der EU unterstützt wird. Das ist nun wieder der Fall. Damit man die gesamte Förderung erhält, musste der Bau bis Anfang 2023 fertiggestellt sein. Dieser Termin wurde nach einem Antrag der Gemeinde Ruppichteroth bei der Bezirksregierung Köln auf Ende März verschoben. Aufgrund der geschilderten Verzögerungen und nach Rücksprache mit der Bezirksregierung in Köln hat die Gemeinde zwischenzeitlich einen weiteren Verlängerungsantrag bis zum 30. Juni 2023 gestellt. Über den Antrag wird die Bezirksregierung Köln nach Prüfung entscheiden.

Von 4,4 auf 6,2 Millionen Euro

Zudem steigen die Kosten weiter. Ursprünglich war man für die gesamte Baumaßnahme, zu der neben der Hallensanierung auch Außenanlagen gehören, von 4,4 Millionen Euro ausgegangen. Mit den neuen Verzögerungen landet man bei 6,2 Millionen Euro. „Die Hauptursache dafür sind die Preissteigerungen bei den Baumaterialien“, erklärt Bürgermeister Mario Loskill. Aber auch die Investitionen in den Brandschutz hätten für Aufschläge gesorgt.

Das Problem für die Gemeinde: Die Förderquote für die Hallensanierung lag zu Baubeginn bei 90 Prozent, was rund 2,4 Millionen Euro entspricht. Diese absolute Summe ändert sich aber nicht, egal aus welchen Gründen die Kosten steigen. „Das ist ein Ärgernis, das derzeit viele Städte und Gemeinden teilen. Das haben wir den Verantwortlichen auch so mitgeteilt“, sagt Loskill. Aus seiner Sicht wäre es aber auch unverantwortlich, die Preissteigerungen auf die Baufirmen abzuwälzen. „Als öffentlicher Auftraggeber haben wir auch eine Verantwortung den Unternehmen gegenüber. Es wäre nicht vertretbar für uns, wenn dadurch jemand Pleite geht.“ Daran appellierten auch die übergeordneten Behörden.

Gemeinde muss Mehrkosten tragen

Für die Gemeinde Ruppichteroth ist also die einzige Möglichkeit, die Steigerungen selbst abzufangen. Zuletzt war man von 5,2 Millionen Euro ausgegangen, durch Ukraine-Krieg und Energie sind es nun 6,2 Millionen Euro geworden. „Wir bringen das gerade in den Haushalt ein, deshalb sind die Folgen noch nicht genau abzusehen“, sagt Loskill. Klar sei aber, dass die klamme Gemeinde an anderer Stelle sparen müsse. „Es müssen also andere Investitionen hinten angestellt werden.“

Loskill ist dennoch weiterhin überzeugt, dass die Sanierung die richtige Entscheidung war, die auch der Gemeinderat mittrug. "Wenn wir die Halle abgerissen und neu gebaut hätten, wäre wir bei zweistelligen Millionenbeträgen gelandet", sagt er. Durch die Sanierung habe man letztlich ein genauso modernes Gebäude, aber zu einem günstigeren Preis.

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